Elektrowagen für Berlin: Die große Elektro-Auto-Show

Daimler liefert die Elektrowagen und RWE stellt 500 Aufladestationen in die Hauptstadt. Bundeskanzlerin Merkel ist begeistert. Kritik kommt von Umweltschützern

Die RWE-Daimler-Merkel-Show in Berlin mit Jürgen Großmann, RWE (l), Dieter Zetsche, Daimler (m), und der Bundeskanzerlin (r). Bild: dpa

BERLIN taz Der Autokonzern Daimler und der Stromversorger RWE wollen für ein Pilotprojekt ab Ende 2009 Elektrowagen durch Berlin rollen lassen. Daimler werde rund 100 Fahrzeuge der Marken Smart und Mercedes-Benz liefern, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. RWE will 500 Stationen in der Stadt aufbauen, an denen die Autos aufgeladen werden können. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Initiative bei ihrer Vorstellung "als wirklich wegweisendes Projekt". Von Umweltschützern dagegen kam scharfe Kritik.

Die Autos werden laut Daimler-Chef Dieter Zetsche nur an ausgewählte Kunden vergeben. Wahrscheinlich werden die Wagen nicht zu kaufen, sondern lediglich zu leasen sein. In London sind bereits Elektro-Smarts für umgerechnet 500 Euro pro Monat zu haben. Die Ladezeit der Akkus soll bei sechs Stunden liegen. RWE-Vorstandsvorsitzender Jürgen Großmann wies daraufhin, dass deutsche Autofahrer an 90 Prozent aller Tage weniger als 100 Kilometer täglich zurücklegen. "Das ist bequem mit einer Batteriefüllung machbar."

Die beiden Konzernlenker priesen Elektroautos als besonders klimafreundlich, weil ihr Betrieb weniger Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) freisetze als Verbrennungsmotoren. "Die CO2-Emissionen des smart electric drive pro Kilometer sind nicht 120 Gramm und nicht 80, sondern null", sagte Zetsche. Aber das stimmt nur, wenn man die Emissionen außer Acht lässt, die bei der Produktion des Stroms anfallen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel anmerkte.

Da der Elektrosmart seinen Strom von RWE bekommt, nannte die Umweltorganisation Greenpeace ihn ein "Klimaschwein". Das Fahrzeug komme demnach auf 90 Gramm CO2 pro Kilometer, die Diesel-Variante aber nur auf 88 Gramm. Schließlich sei der RWE-Konzern, der vor allem auf Kohle setzt, einer der klimaschädlichsten Stromlieferanten in Deutschland.

Greenpeace warf den Autoherstellern vor, mit dem Großversuch die Öffentlichkeit täuschen zu wollen. Die Branche wolle davon ablenken, dass sie mithilfe der Bundesregierung strengere CO2-Grenzwerte für ihre Flotten verhindert habe, sagte Autoexperte Wolfgang Lohbeck der taz. Gerade Mercedes-Wagen seien immer noch viel zu schwer, so dass sie überdurchschnittlich viel Kohlendioxid ausstießen. Das Berlin-Projekt sei nur ein Großversuch, kein Durchbruch. "Die sollen forschen und uns nicht mit Falschmeldungen nerven, dass morgen überall Elektroautos fahren würden", erklärte Lohbeck. Schließlich gebe es bisher nur "ein paar lachhafte Versuchsfahrzeuge".

So sieht das auch der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub Deutschland (VCD). Er verurteilte das Vorhaben als "Show". Selbst nach optimistischen Schätzungen würden 2020 gerade einmal ein bis zwei Millionen Elektroautos in Deutschland unterwegs sein, so Verkehrsexperte Gerd Lottsiepen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben