Einigung im Tarifstreit der Metallbranche: Mehr Lohn und eine Einmalzahlung

Kompromiss bis Ende 2016: Die Metaller erhalten 3,4 Prozent mehr Lohn. Ansprüche auf Weiterbildung gibt es jedoch weiterhin nicht verbindlich.

Gut verhandelt: der Bezirksleiter des IG Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger (r.) und der Vorsitzende von SüdwestMetall, Stefan Wolf. Bild: dpa

BÖBLINGEN dpa/rtr | In den Tarifverhandlungen der Metallindustrie haben sich die IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall im Bezirk Baden-Württemberg geeinigt. Die Tarifentgelte sollen ab 1. April um 3,4 Prozent erhöht werden, erklärten die Verhandlungsführer am Dienstag nach fast 16 Stunden zäher Verhandlungen in Böblingen bei Stuttgart. Für die ersten drei Monate kommt eine Einmalzahlung von 150 Euro hinzu, die im März gezahlt wird. Die Tarifparteien haben mit ihrem Kompromiss einen Streik abgewendet, der nach den Worten von Gesamtmetallpräsident Rainer Dulger ungeheure Kosten für die deutsche Wirtschaft nach sich gezogen hätte. Auch über neue Regelungen zur Altersteilzeit und Weiterbildung fanden die Tarifparteien einen Kompromiss. Die Abschlüsse zu Entgelt und Altersteilzeit sollen als Pilotabschluss bundesweit übernommen werden. Der Entgelt-Tarifvertrag tritt rückwirkend zum 1. Januar 2015 in Kraft und läuft bis 31. März 2016.

Die IG Metall hatte für die 3,7 Millionen Beschäftigten der größten deutschen Industriebranche eine Tariferhöhung um 5,5 Prozent ab Januar gefordert. Die Arbeitgeber hatten zunächst ein Plus von 2,2 Prozent ab März angeboten. Dies wehrte die IG Metall ab und setzte durch, dass die Bezieher geringer Einkommen künftig rund 90 Prozent ihres bisherigen Nettolohns während der Altersteilzeit erhalten. Dadurch werde ihnen der frühzeitige Ausstieg aus dem Erwerbsleben erleichtert.

Dagegen werteten die Arbeitgeber es als Erfolg, dass neben besonders belasteten langjährigen Schichtarbeitern kein anderer Personenkreis festgelegt worden sei, der Ansprüche auf einen vorzeitigen Ruhestand habe. Die IG Metall hatte versucht, auch andere Faktoren unabhängig von Schichtarbeit, etwa dauerhaften Stress bei Projektarbeit, geltend zu machen. Südwestmetall hatte hingegen mit Blick auf den Fachkräftemangel davor gewarnt, denjenigen Ansprüche auf vorgezogenen Ruhestand zu gewähren, die „noch können, aber nicht mehr wollen“. Im Rahmen des Vier-Prozent-Anteils wird die Quote für die Belasteten, die vorrangig in die Altersteilzeit gehen dürfen, von 2,5 auf 3 Prozent erhöht.

Aus dem Topf der Altersteilzeit

Die Gewerkschaftsforderung nach einer von den Arbeitgebern bezuschussten Weiterbildungsteilzeit wird insoweit realisiert, dass die Betriebe mit Mitteln aus der Altersteilzeit Weiterbildungswillige unterstützen können – aber nicht müssen, wie es die IG Metall angestrebt hatte. Die Arbeitgeber werteten es als Erfolg, dass sie die von der Gewerkschaft verlangten Ansprüche der Beschäftigten auf Zuschüsse für ihre Weiterbildung aus dem Topf für Altersteilzeit unterbinden konnten.

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger nannte die Einigung einen zufriedenstellenden Kompromiss. Die Beschäftigten seien damit angemessen an den Unternehmensgewinnen beteiligt. Für die Arbeitgeber sei der Abschluss zu den Entgelten schmerzhaft, sagte Südwestmetall-Präsident Stefan Wolf. „Das ist mit Abstand das dickste Reallohnplus seit vielen Jahren.“

Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger erklärte, den Arbeitgebern sei es gelungen, die Altersteilzeit für die Betriebe nicht zu verteuern. Bei den Regeln zur Weiterbildung sollen die Vereinbarungen Baden-Württembergs nicht als Pilotabschluss dienen, da sie schon deutlich über die Regeln der anderen Tarifgebiete hinausgehen. Stattdessen soll der letzte Verhandlungsstand in Nordrhein-Westfalen als Blaupause für die übrigen Bezirke empfohlen werden. „Wir haben heute im Vergleich zu anderen Branchen gezeigt, wie man verantwortungsvolle Tarifpolitik für unsere Industrie macht“, so Dulger.

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