■ Schmieriger Händedruck: Eine Zumutung
Endlich hat ein Staatsanwalt mal ein gute Idee, und was passiert? Die Antifas sind trotzig wie kleine Kinder und spielen nicht mit. Dieser Gedanke kommt einem als erstes, wenn man von dem ungewöhnlichen Vorschlag des Staatsanwalts hört: Das Verfahren gegen neun Männer und Frauen wegen Hausfriedensbruchs in der Zentralen Gedenkstätte Neue Wache und wegen Widerstands gegen Polizisten könnte eingestellt werden, wenn sich die Demonstranten bei Polizeipräsident Hagen Saberschinsky schriftlich für ihr Verhalten gegenüber den damals eingesetzten Beamten entschuldigen. Auch der zuständige Richter findet, die Entschuldigung sei ein taugliches Mittel, wenn dadurch der Rechtsfrieden wiederhergestellt werden könne.
Juristen, die solche Überlegungen anstellen, sind rar. Viele Verfahren könnten durch einen einfachen Händedruck schnell und unbürokratisch aus der Welt geschafft werden. Doch im vorliegenden Fall verhält es sich anders. Bei genauerer Prüfung des Sachverhalts und beim Studium der Fotos fällt auf, daß die Beamten nicht gerade zimperlich mit den Demonstranten umgesprungen sind. Viele wurden im Würgegriff abgeführt, einer soll sogar in einer Polizei- Wanne geschlagen worden sein. Sich bei solchen Polizisten zu entschuldigen kommt einer Zumutung gleich. Zumal in Zeiten, wo die Nachrichten von Mißhandlungen durch Polizei-Schlägertrupps nicht abreißen. Und daß das Entschuldigungsschreiben dann auch noch an einen Polizeipräsidenten gehen soll, der immer nur von einigen „schwarzen Schafen“ faselt, läßt spätestens die Feder stocken. Dann doch lieber ein saftiges Bußgeld für einen guten Zweck: Besser Greenpeace rettet die Wale als einen schmierigen Händedruck. Plutonia Plarre
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