piwik no script img

„Ein besseres Venezuela“

■ Bei der Bevölkerung stoßen die Putschisten auf Sympathie

Caracas (AP) – Der Putschversuch in Venezuela ist auf Sympathien in der Bevölkerung gestoßen. Bei einer Zufallsumfrage auf den Straßen der Hauptstadt Caracas sagten die meisten, sie wünschten sich einen Sturz von Präsident Carlos Andres Pérez, wenn auch kein Militärregime.

Während des Aufstands vom Freitag versammelten sich in der Nähe der Fernsehzentrale etwa 100 Menschen, schwenkten Landesflaggen und riefen: „Lang lebe Chavez!“ Der inhaftierte Oberst Hugo Chavez hatte den Putschversuch im Februar angeführt und soll auch die Revolte vom Freitag aus dem Gefängnis heraus geleitet haben. Auch aus Barinas und Valencia wurden Kundgebungen zugunsten der Putschisten gemeldet. „Wir glauben an ein besseres Venezuela ohne Korruption“, sagte der 34jährige Leutnant Oneiver Herrera, der zu den Putschisten gehörte. Er fuhr am Freitag mit einem Lautsprecherwagen durch Caracas und rief mit der Parole „Für alle, für die Armen!“ zur Unterstützung der Rebellen auf.

Die 29jährige EDV-Angestellte Isabel Caicedo sagte bei der Umfrage, sie unterstütze Chavez, weil er den Kampf gegen die Korruption versprochen habe. „Wir haben uns nur deswegen nicht den Rebellen angeschlossen, weil wir keine Waffen haben“, sagte ein Student. „Wir wollen, daß Pérez gestürzt und vor Gericht gestellt wird.“

Bei Umfragen äußerten zuletzt nur noch neun Prozent ihre Unterstützung für den Präsidenten. Vier Millionen Venezolaner, 23 Prozent der Bevölkerung, leben in äußerster Armut ohne eine einzige volle Mahlzeit am Tag. Der größte Teil des Wirtschaftswachstums, so der Wirtschaftswissenschaftler José Miguel Senior von der Universität Caracas, konzentriere sich auf weniger als drei Prozent der Bevölkerung. Katharine Hutt

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen