■ Mit Pakistans A-Bombe auf du und du: Eigentlich Uran
Neu-Delhi (taz) – Der bisher unbestätigte Verdacht, daß Pakistan ein möglicher Kunde russischen Plutoniums ist, erhält eine gewisse Glaubwürdigkeit, wenn man das A-Bomben- Programm des Landes ansieht. Pakistan ist ein alter Kunde auf dem internationalen Schwarzmarkt für Nukleartechnologien. Das Land unterhält seit Jahrzehnten ein aktives Programm zur Entwicklung von Atomwaffen, und in der Uran-Anreicherungsanlage von Kahuta in der Nähe Islamabads soll inzwischen spaltbares Uran hergestellt werden, das es dem Land erlaubt, in kurzer Zeit zwischen fünf und zwölf Bomben herzustellen. Die zwanzigjährigen Anstrengungen — sie entstanden als Reaktion auf den Atomversuch Indiens von 1974 — profitieren von der weitgehend unkontrollierten Unterstützung durch die Atommacht China.
Die wesentlichen Komponenten und Verfahren beschaffte sich Pakistan jedoch im Westen, angefangen 1975 vom Diebstahl von Blaupausen aus der europäischen Aufbereitungsanlage Urenco im niederländischen Almelo durch den „Vater der pakistanischen Bombe“, Abdul Qadir Khan. Als vor drei Jahren die vom Pakistaner Abedi gegründete BCCI-Bank Bankrott ging, deutete einiges darauf hin, daß diese einen wesentlichen Teil dieser Schmuggelgeschäfte finanziert hatte.
Wenn der Verdacht gegen Pakistan dennoch erstaunt, dann ist es wegen der Natur des Schmuggelguts. Bisher hatte man angenommen, daß Pakistan sich bereits 1976 für Uran und gegen Plutonium als Ausgangsmaterial entschieden hatte. Die beiden Atomreaktoren, die das Land damals besaß, standen unter internationaler Kontrolle. Die Plutonium- Rückstände konnten daher nicht abgezweigt werden. Im April des vergangenen Jahres zitierten indische und pakistanische Zeitungen aber aus einer KGB-Studie, wonach Pakistan in einem eigenen Versuchsreaktor auch Plutonium anreichert. In Multan stehe eine Anlage zur Herstellung von Schwerwasser, die von Belgonucléaire geliefert worden sei.
Eine weitere Quelle soll Frankreich gewesen sein, das die Mitarbeit am Bau einer Aufbereitungsanlage für hundert Tonnen Plutonium in Chasma 1987 zwar eingestellt hat. Mit den verfügbaren Zeichnungen soll es dort jedoch inzwischen gelungen sein, aus abgebrannten Brennstäben Plutonium zu extrahieren und aufzubereiten.
Im Lauf der letzten Jahre gab es auch immer wieder unbestätigte Berichte, nach denen sich Pakistan aus Deutschland — von der Firma Transnuklear — und aus der Anlage für Nuklearabfälle im belgischen Mol abgebranntes Plutonium verschafft hat. Bernard Imhasly
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