: Editorial
■ Index on Censorship
„Das größte Problem einer militärischen Intervention ist, daß sie, sobald sie ins Auge gefaßt wird, die gesamte Diskussion wie eine große schwarze Wolke überschattet und den Blick auf jede Notwendigkeit und Möglichkeit anderer Formen internationaler Initiative verstellt.“
Mehrere Beiträge im neuen Heft von Index on Censorship befassen sich mit der Problematik militärischer Interventionen, wie sie inzwischen durch die USA und/oder die UNO fast zu Selbstverständlichkeiten geworden sind. Der wichtigste Beitrag ist der auf diesen Seiten gekürzt wiedergegebene Artikel Alex de Waals, aus dem auch obiges Zitat stammt. Er befaßt sich mit dem neuen Ruf der – meist pazifistisch und menschenrechtsbewegt eingestellten – NGOs nach Blauhelmen. Dabei konzentriert sich de Waal auf die Region, die, glaubt man den internationalen Medien, am stärksten von humanitären Krisen heimgesucht wird und mit der die meisten NGOs eine jahrzehntelange Krisenarbeit verbindet: Er führt uns „die traurige Wahrheit“ vor, „daß die riesigen Hilfslieferungen nach Afrika im vergangenen Jahrzehnt einen beträchtlichen Beitrag zur Institutionalisierung von Gewalt geleistet haben“.
Im Irak ist durch internationale Intervention zwar nicht diese, aber doch eine nicht minder prekäre innenpolitische Situation entstanden, wie Juli Flint aufzeigt. Gemeinsam weisen sie als präzise Beobachter ihrer Regionen nach, daß kein Eingriff – und kein Nicht-Eingriff – internationaler Institutionen ohne gravierende Folgen und Nebenwirkungen bleibt. Eine Diskussion, die durch Sensationalismus und Sentimentalität der internationalen Medien gleichermaßen verhindert wird. Uta Ruge, London
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