EU-Lateinamerika-Gipfel: Peru wirbt für schmutziges Gold

Offiziell geht es beim EU-Lateinamerikagipfel um Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit. Doch die gastgebende Regierung interessiert sich vor allem für den Exportsektor Bergbau.

Kann eine fragwürdige Umweltbilanz vorweisen: Präsident Alan García. Bild: dpa

Zu einem der sieben Naturwunder ihres Landes haben die Peruaner Baños del Inca gekürt. Die Thermalbäder nahe Cajamarca sind ein Teil der nationalen Identität: Hier badete der letzte Inkaherrscher Atahualpa, als die Spanier in die Stadt einmarschierten. Heute steht das kulturelle Erbe auf dem Spiel. Denn Cajamarca ist eine der wichtigsten Bergbaustädte Perus. Für 86,65 Prozent der Gemeindefläche gibt es Minenkonzessionen. Selbst nahe der heißen Quelle können Unternehmen nach Gold, Silber und Kupfer buddeln. Ohne viel Rücksicht auf die Umwelt: Die Regierung gibt wirtschaftlichen Interessen den Vorrang.

Zumindest indirekt wird die fragwürdige Umweltbilanz Perus auch Thema auf dem EU-Lateinamerika-Gipfels sein, der heute Abend in Lima beginnt. Offiziell geht es um Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit. Tatsächlich im Mittelpunkt stehen wird aber die Öffnung der lateinamerikanischen Volkswirtschaften für Europas Konzerne.

Peru selbst zeigt sich konzessionsbereit. Mehr noch: Die Regierung wirbt zwischen Peking und Toronto für den Bergbaustandort Peru. Und Präsident Alan García hat angekündigt, auch Bergbauprojekte durchzudrücken, die wie die Kupferminen Rio Blanco in ökologisch sensiblen Regionen liegen.

Dort, hoch im Norden Perus, nahe der Grenze zu Ecuador, hat sich die Bevölkerung gegen die Mine und für den Anbau von Ökokaffee und den Erhalt von Nebelwald und Wasserbalance ausgesprochen. Für García ist das keine Hürde. Investitionen in den Bergbau, den wichtigsten Wirtschaftssektor des Landes, haben Priorität.

Davon konnte sich auch eine deutsche Wirtschaftsdelegation überzeugen, die im März durch die peruanischen Anden tourte. Für den Maschinenbau gebe es exzellente Exportperspektiven, so die Prognosen. Zum einen soll modernisiert werden, zum anderen werden neue Minen gegründet. Das bestätigt Julia Cuadros, Expertin der bergbaukritischen Nichtregierungsorganisation Cooperación: "Es wird expandiert, dabei weiß die Regierung, dass der Bergbau in vielen Regionen mit der Landwirtschaft um das knappe Wasser konkurriert."

Wer sich lautstark dagegen wehrt, hat es schwer. Der landesweit als Umweltschützer bekannte Padre Marco Antonio Zegarra Arana wird nach Morddrohungen ständig von Polizisten begleitet. Seine Arbeit für die Umweltorganisation Grufides, die seit über zehn Jahren gegen die Ausplünderung der Berge um Cajamarca kämpft, ist nicht überall gern gesehen. Negative Schlagzeilen über die Vergiftung von Flüssen wie Lagunen mit hochtoxischen Zyaniden, die bei der Förderung von Gold in der riesigen Yanacocha-Mine oberhalb von Cajamarca eingesetzt werden, sind unerwünscht - nicht nur bei den Investoren, zu denen auch die Weltbank zählt, sondern auch bei der Regierung.

Dass Peru derzeit ein Umweltministerium aufbaut, wird den Leuten in den Bergen auch nicht helfen. Denn Bergbau und Fischerei sollen nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fallen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de