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ERSTER PRIVATKNAST GROSSBRITANNIENS

Der Knacki als Kunde

Newcastle (taz) — Heute werden 50 Untersuchungsgefangene in den ersten Privatknast Großbritanniens verlegt. Das Innenministerium hatte im vergangenen Jahr den Auftrag für das Wolds-Gefängnis in der nordostenglischen Grafschaft Humberside an die Sicherheitsfirma „Group Four“ vergeben. Der Unterhalt des Gefängnisses kostet die SteuerzahlerInnen etwa 13,5 Millionen Mark jährlich. Wolds kann über 320 U-Häftlinge aufnehmen, jedoch keine der Kategorie A, die als „besonders gefährlich“ gelten. Jim Harrower, Vorstandsvorsitzender von „Group Four“, sagte, er wolle „sichere, aber humane Lebensbedingungen“ schaffen. Wolds besteht aus sechs Blöcken mit 156 Einzel- und 72 Doppelzellen, alle mit WC. Die Blöcke sind voneinander durch elektronisch gesicherte Tore getrennt, um Knastrevolten auf eine möglichst kleine Anzahl von Gefangenen zu beschränken. Innerhalb der Blöcke können sich diese jedoch über 16 Stunden am Tag frei bewegen. Sie erhalten Schlüssel für ihre Zellen. Freilich haben die 160 Wärter mit Spezialschlüsseln jederzeit Zugang. Gefängnisdirektor Stephen Twinn behauptete, nicht nur die SteuerzahlerInnen und die Gerichte, sondern auch die Gefangenen seien Kunden des Unternehmens: „Sie sind schließlich die direkten Konsumenten unserer Dienstleistungen.“ Die Wärter tragen keine Uniformen, sondern graue Hosen, weiße Hemden und schwarze Jackets. Twinn sagte, daß die Gefangenen für ihre — freiwillige — Arbeit überdurchschnittlich bezahlt werden sollen. Wer Ärger mache, komme jedoch in den Strafblock mit kahlen Zellen von drei Quadratmetern Größe. Adam Sampson, Vizevorsitzender der Stiftung für Gefängnisreform, begrüßte zwar verschiedene Einrichtungen in Wolds, sagte jedoch, seine Organisation sei weiterhin entschieden gegen die Privatisierung. „Es gibt große Risiken dabei“, meinte er. Vor allem warnte er vor potentiellen Ungerechtigkeiten, da die Wärter willkürlich Gefangene in den Strafblock verbannen können. Überdies schaffe die Lohnstruktur für arbeitswillige Gefangene eine Knasthierarchie. Jim Harrower hofft dagegen, daß das Innenministerium aufgrund der Erfahrungen mit Wolds auch die Verträge für die Gefängnisse Blakenhurst und Hereford an „Group Four“ vergeben werde. Ralf Sotscheck

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