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Dumpingspirale beim Billig-Öl

Russland und Iran unterbieten sich gegenseitig, um Öl nach China liefern zu können. Denn beide brauchen dringend Geld

Ölfirmen in Russland, hier in Tatarstan, haben schon ihre Förderung gedrosselt Foto: Yegor Aleyev/imago

Von Mathias Brüggmann

Russland, China und Iran geben sich als enge politische Partner. Einen „Dialog auf der Grundlage des Prinzips der gegenseitigen Achtung“ haben sie zuletzt bei einem Außenministertreffen vereinbart. In der Realität sieht der Dialog komisch aus: Momentan unterbieten sich russische und iranische Ölexporteure, um ihr Rohöl an chinesische Raffinerien liefern zu können.

Iran verlädt derzeit dreimal so viel Rohöl wie gewöhnlich, „um vor einem möglichen US-Angriff noch so viel Geld wie möglich einzunehmen“, sagt die Ölanalystin Tsvetana Paraskova anhand von Daten der Analyseplattform Kpler. Zugleich hat Russland nach Berichten von Ölhändlern für seine Rohölsorte Urals die Abschläge gegenüber dem Referenzpreis für die Nordseesorte Brent deutlich ausgeweitet.

Laut Rohstoff-Analysten von Argus wird russisches Rohöl derzeit in russischen Häfen für nur rund 42 Dollar pro Barrel verkauft, was etwa 28 Dollar unter dem aktuellen Brentpreis liegt. Einzelne Lieferungen von russischem Rohöl, das seit Wochen in Tankern auf den Ozeanen dümpelt, seien auch für 25 Dollar pro Fass (je 159 Liter) in chinesischen Häfen verkauft worden. Das bringe den LieferantInnen noch 10 Dollar je Barrel nach Abzug der Transportkosten ein – und damit weniger als die Produktionskosten. In der Folge mussten russische Ölfirmen bereits Insolvenz anmelden.

Indien hat wegen der von US-Präsident Donald Trump verhängten Sanktionen gegen die russischen Großkonzerne Rosneft und Lukoil Importe von russischem Rohöl deutlich reduziert. Russland hat deshalb bereits seine Förderung gedrosselt und alle Tankerkapazitäten mit überschüssigem Rohöl gefüllt.

Um weiter Öl nach China verkaufen zu können, habe Iran laut Paraskova seinen Rabatt auf die Ölsorte Iranian Light auf 11 Dollar pro Fass ausgeweitet. Auch der Kreml ist dringend auf Öleinnahmen angewiesen.

Die drastisch gefallenen Öl- und Gasexporterlöse würden zu Mindereinnahmen von 4,3 Billionen Rubel und einem Gesamt-Haushaltsdefizit von 8 Billionen Rubel (umgerechnet 88 Milliarden Euro) führen, schätzt Alexei Klimjuk von der privaten Moskauer Investmentbank Alfa-Capital. Finanzminister Anton Siluanow hat angekündigt, den Haushalt anzupassen – allerdings rechnen Moskauer Medien nicht mit Kürzungen im Verteidigungsbudget.

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