Duell um Berliner CDU-Vorsitz: Gedrängel in der CDU-Chefetage

Ein No-Name-Kandidat fordert den von der Parteiführung auserkorenen Frank Henkel heraus - als Protest gegen das Nominierungsverfahren.

Berlin kann mehr als diesen einen Kandidaten für den CDU-Vorsitz gebaruchen: Der hier heißt Frank Henkel Bild: AP

Die CDU steht nun doch vor einem Duell um den Landesvorsitzen. Dieter Walther (62), ein weitgehend unbekanntes Parteimitglied aus Zehlendorf, will am 18. November gegen Fraktionschef Frank Henkel bei der Wahl des Chefposten antreten. Walther, der nur über geringe Führungserfahrung in der CDU verfügt, rechnet zwar selbst nicht mit einem Sieg. "Ich hoffe aber auf einen kleinen Achtungserfolg, um zu zeigen, dass die Basis nicht alles mit sich machen lässt", sagte er der taz. Henkel sei kein Symbol für den vielbeschworenen Neuanfang, meint Walther, der sich heute bei der ersten von fünf geplanten CDU-Regionalkonferenzen vorstellen will.

Nach dem Rücktritt des früheren Landeschefs Ingo Schmitt hatte eine Perspektivenkommission der Partei den Fraktionschef Frank Henkel als künftigen Landeschef und die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters als Stellvertreterin vorgeschlagen. Vor allem aus dem Kreisverband Steglitz-Zehlendorf gab es daraufhin starke Kritik, das Verfahren sei zu undemokratisch, intransparent und übereilt.

Das Kandidatenduo soll sich der Basis auf fünf Regionalkonferenzen vorstellen. Die erste findet heute im Rathaus Schöneberg statt - ausgerechnet im Willy-Brandt-Saal. Dort will sich nun auch Walther präsentieren. Henkel und führende CDU-Politiker bleiben gelassen. Sie verwiesen darauf, dass laut Satzung jedes Mitglied kandidieren könne - und darauf, dass ihnen Walther unbekannt sei. "Ich sehe das sehr sportlich", sagte Henkel der taz. "Das belebt doch die ganze Sache", kommentierte Grütters.

Das hofft auch Walther, dessen Polit-Erfahrungen sich aktuell auf einen Posten im CDU-Ortsvorstand und in früheren Zeiten bei der Jungen Union beschränkt. Beim Nominierungsverfahren "wurde abgeschottet von der Basis Leute ausgesucht und der Partei vorgesetzt", kritisiert der 62-Jährige Verwaltungswirt. "Die Regionalkonferenzen sind doch erst nachträglich angesetzt worden."

Walther kommt nicht nur aus dem CDU-Kreisverband, den Michael Braun, der prominentestes Kritiker des bisherigen Nominierungsverfahrens, führt. Braun ist zudem auch noch Chef von Walthers Ortsverband Zehlendorf-Süd. Beide dementierten, dass Braun seinen Parteifreund vorgeschickt habe. Walther will vielmehr seinen Orts- und Kreischef erst nachträglich über seine Kandidatur informiert haben. Braun selbst ließ Skepsis zu der Kandidatur durchklingen: "Die Frage, die man sich bei einer Bewerbung immer stellen muss, ist: Was ist, wenn ich gewinne?"

Parteifreunde aus Zehlendorf beschreiben Walther als netten, durchaus intelligenten Parteikollegen, eher Typ Einzelgänger, der aber nicht wirklich ein Mann für den Landesvorsitz sei. Der Abgeordnete Andreas Gram erinnert sich an gemeinsame Zeiten im Landesvorstand der Jungen Union Anfang der 70er: "Ich weiß noch, dass er da solide Arbeit gemacht hat."

Walther ist sich durchaus bewusst, dass er auf ein Debakel zusteuert: "Auch wenn es etwas Masochistisches hat - wenn man von etwas überzeugt ist, dann muss man es auch machen."

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