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Drogenboss Glenn AgliottiKönig der Unterwelt

Der südafrikanische "Drogenbaron" Glenn Agliotti war wegen Mordes angeklagt und seit 2006 inhaftiert. Nun ist er frei und will die Staatsanwaltschaft verklagen.

Die herzlichste Umarmung hatte Glenn Agliotti am Tag seiner Freilassung für seinen Anwalt übrig. Der rundliche Südafrikaner mit der hohen Stirn und dem Spitznamen "Drogenbaron" hatte Grund zur Freude: Der Mord an dem südafrikanischen Bergbaumagnaten Brett Kebble konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Kebble, dessen Imperium mit der Struktur der Cosa Nostra verglichen wurde, war 2005 an einer Autobahnauffahrt in Johannesburg in seinem Wagen erschossen worden. Agliotti saß deswegen seit 2006 in Haft. Aber seit Donnerstag ist die Anklage wegen Mordes Schnee von gestern. Der 54-jährige Agliotti ist obenauf: Er will die Staatsanwaltschaft verklagen, er sei Opfer einer Verschwörung. "Ich schlafe nachts gut", sagt er.

Bei Beginn der spektakulären Gerichtsverhandlung hatte Agliotti, ein verurteilter Drogenhändler, zugegeben, er würde hin und wieder lügen. Stets war der Sohn eines italienischen Einwanderers und Pferderennbahnbesitzers ein "Mann der Frauen". Er heiratete 1987 Charlene, als er bereits mit Vivien verheiratet war. Eine spätere Verlobte trennte sich, weil er sie zu oft anlog. Später trennte sich das Ehepaar Agliotti. Jetzt stand der nette Grauhaarige im Scheinwerferlicht als Hauptfigur in einem Gestrick von Mafiahierarchien. Es ging um anrüchige Motive und düstere Charaktere, um korrupte Staatsdiener und prominente Politiker. Sogar den Richter erinnerte die ganze Saga an den Mafiafilm "The Godfather", obwohl Agliotti aussieht wie ein Vertreter; charmant, geschniegelt und aalglatt bewegt er sich in der Unterwelt.

Südafrikas einstiger Polizeichef und Interpolpräsident Jackie Selebi ließ sich von Agliotti aushalten. Der zückte die Kreditkarte für Selebis Designerkleidung und wurde im Gegenzug mit Polizeiinterna versorgt. Den Zugang zu Selebi verkaufte Agliotti für saftige Profite weiter. Selebi, den auch Kebble für "Dienste und Gefälligkeiten" bezahlt hatte, wurde vor Kurzem zu 15 Jahren Haft verurteilt. Agliotti ist frei.

Agliottis Fall war dem Richter nicht wasserdicht genug, die Zeugen des Kebble-Mordes schienen ihm zu unglaubwürdig. Jetzt stehen die südafrikanischen Strafverfolger als Dilettanten da. Und Agliotti bleibt nun noch der Weg zum Scheidungsrichter.

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