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Dokumentarfilm „Scherbenland“Ein Land namens Kreuzberg

Entlang dreier Generationen Mu­si­ke­r*in­nen erzählt der Dokumentarfilm „Scherbenland“ von der Geschichte Kreuzbergs und seiner Be­woh­ne­r*in­nen.

Das Kreuzberg von heute Foto: Salzgeber

„Der Rauch steigt auf und die Welt zerbricht in Scherben“, singt die Berliner Rap-Crew RapK in ihrem Song „Scherbenland“. Eine Zeile, die auch von dem jungen Hausbesetzer Rio Reiser stammen könnte. An dieser Brücke zwischen den frühen 70ern und dem Kreuzberg von heute setzt der Film „Scherbenland“ von Lutz Pehnert und Ferdinand Hübner an.

Zwischen Hausbesetzungen und Straßenkampf entwickelte sich die Kreuzberger Band Ton Steine Scherben um Sänger Rio Reiser zum Sprachrohr einer ganzen Generation von Kreuz­ber­ge­r*in­nen und weit darüber hinaus. „Scherbenland“ fragt, inwiefern der Geist der „Scherben“, wie die Band auch genannt wurde, heute noch in Kreuzberg nachhallt. Pehnert und Hübner machen sich auf die Suche nach den Überresten eines der wirkmächtigsten Mythen der deutschen Popkultur: das Kreuzberg der frühen 70er Jahre.

Der Film geht dabei herrlich unprätentiös vor. Es gibt keinen erklärenden Off-Text, stattdessen stehen Alltagsszenen und Stimmungen im Vordergrund. In einem Mix aus Archivmaterial und Gegenwartsaufnahmen wird ein buntes Viertel mit einer bewegten Vergangenheit porträtiert.

Der Film

„Scherbenland“. Regie: Lutz Pehnert und Ferdinand Hübner. Deutschland 2026, 100 Min.

Im Vordergrund steht dabei die dreiköpfige Rap-Crew RapK. Deren Mitglieder erzählen von ihrem Aufwachsen in einem Viertel, das so gar nicht in das Stadtbild bestimmter Bundeskanzler passt. Auch wenn (oder gerade weil) die Kamera stellenweise so nah dran ist, dass das Ganze ins Reportagenhafte gleitet, entsteht eine besondere Authentizität. Ein Kaffee mit Freunden, von denen einer seinen Sohn Rio genannt hat, und Gespräche mit Bekannten bei der Stadtreinigung geben Einblicke in das echte Leben in einem Kiez, der sich selbst kaum noch gehört.

Große Fragen zwischen den Zeilen

Zwischen den Zeilen stellt „Scherbenland“ auch große Fragen. Was zu Rio Reisers Zeiten die Besetzung des Bethanien-Krankenhauses war, ist im heutigen Kreuzberg die Kündigung wegen Eigenbedarfs. Wenn RapK am Spreeufer stehen und auf die Luxusneubauten auf der anderen Flussseite blicken, dann wird schnell klar, wie sehr sich manche Konflikte verschoben haben und wie präsent sie trotzdem geblieben sind.

Sprachrohr einer ganzen Generation: Rio Reiser Foto: Salzgeber

Auch die Singer-Songwriterin Maike Rosa Vogel lebt seit Jahrzehnten in Kreuzberg und schlägt damit eine Brücke zwischen Ton Steine Scherben und RapK. Vogel arbeitet inzwischen in einem Second-Hand-Laden und nicht mehr als Musikerin. Dies ermöglicht ihr einen angenehmen Blick von außen. So nimmt sie die Rolle einer Vermittlerin ein, die mit dem Geist der Musik von damals im Kreuzberg von heute lebt. Sie erzählt von den prekären Lebensumständen junger Eltern, die ihr Geld mit Musik verdienen, und davon, was es bedeutet, seine Wurzeln in Kreuzberg zu haben, auch wenn einem der Boden unter den Füßen wegrutscht.

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„Scherbenland“ will ein Gefühl einfangen, das zwischen Brüchen und Kontinuitäten oszilliert und sich nicht auf einen Satz herunterbrechen lässt. Zwischen Protest, linken Idealen und Gemeinschaftsgefühl einerseits und Verdrängung, Obdachlosigkeit und Turbokapitalismus andererseits ist über Jahrzehnte hinweg etwas entstanden: ein „Land namens Kreuzberg“, wie RapK singen.

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