Doku über StudiVZ: Gruscheln und Gruppen gründen
Ein NDR-Film erzählt von Aufstieg und Fall der Plattform StudiVZ. Ihr umstrittener Gründer spielt dabei keine ganz glückliche Rolle.
Foto: Christian Schroth/imago
Gruscheln, was war das noch mal? Eine Mischung aus Grüßen und Kuscheln? Auf jeden Fall ein komisches Wort für eine komische Funktion auf StudiVZ, mit der man andere unverbindlich kontaktieren konnte.
Wer der Generation der Millennials angehört, reist jetzt womöglich schon down memory lane. Zurück in die Studienzeit Mitte der 2000er, als die peinlichen Fotos der WG-Party am nächsten Tag im ersten erfolgreichen deutschen Social Network landeten.
Eine NDR-Doku von Zapp zeichnet den schnellen Auf- und Abstieg von StudiVZ nach. Mit eingespielten Bildern und Musik aus der Zeit versucht der Film, die Stimmung Anno 2006 einzufangen. 17 Millionen Accounts – etwa die Hälfte der Internetnutzer:innen in Deutschland – zählten die Plattform und ihre Ableger SchülerVZ und MeinVZ in der Hochphase.
Die Doku blickt dabei auf das Gründerteam vom StudiVZ, besonders auf den halbseidenen Ehssan Dariani. Inspiriert von Facebook, hob er seine Plattform in einem Start-up-Büro aus der Taufe. Hochintelligent und schwierig im Umgang, so wird Dariani beschrieben. Auf Partys interviewte er betrunkene Frauen, die er dann aus Promozwecken im Netz bloßstellte. Dariani äußert sich in der Doku selbst seit Langem wieder, und liefert ein Mea Culpa.
5 bis 6 Prozent von Facebook
Apropos schwieriger Umgang mit Frauen: 2006 reiste Dariani nach San Francisco und traf den Gründer der Wir-bewerten-das-Aussehen-von-Chicks-Plattform Facebook. Mark Zuckerberg wollte StudiVZ damals kaufen und bot im Gegenzug 5 bis 6 Prozent von Facebook, was Dariani heute zum Multimilliardär gemacht hätte.
„Gruschel mich! Die studiVZ-Story“ findet man in der ARD-Mediathek.
Doch der schlug aus und verkaufte die Plattform stattdessen an den Holtzbrinck Verlag. Es war der Anfang vom Ende. Zuerst für Dariani, der bald gefeuert wird, aber auch für StudiVZ, das noch Jahre lang vor sich hin dümpelt, während Facebook den Markt schluckt. 2022 erfolgte der Gnadenschuss – seitdem hat es sich wirklich ausgegruschelt.
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