Doch keine Freilassung: Touristen in Ägypten bleiben entführt

Berichte über eine Freilassung sind falsch. Noch immer bemühen sich die Behörden um die entführten Touristen, darunter fünf Deutsche. Derweil wird wild über Lösegelder spekuliert.

Locken Urlauber wie Schmuggler: Die westlichen Wüstengebiete Ägyptens. Bild: dpa

KAIRO taz Es sollte eine Abenteuerreise in die ägyptische Sahara werden, doch der geplante Wüstentrip der fünf Deutschen nahm einen völlig anderen Verlauf. Zusammen mit fünf Italienern, und einem Rumänen wurden sie im Grenzgebiet zum Sudan verschleppt. Auch vier Ägypter, die Wüstenführer und das Wachpersonal wurden von einer Bande maskierter Männer entführt, erklärte heute der ägyptische Tourismusminister Soheir Garrana.

Im Auswärtigen Amt in Berlin wurde inzwischen bestätigt, dass sie Gruppe seit Freitag vermisst werde. "Wir müssen von einer Verschleppung der Deutschen ausgehen.", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag. Dort tagt inzwischen auch ein Krisenstab. Wer hinter der Entführung steckt, ist bisher nicht klar.

Die ägyptische Regierung spricht von einer Entführung mit kriminellem Hintergrund. Laut den Angaben aus Kairo sollen Mitarbeiter des ägyptischen Geheimdienstes inzwischen mit den Entführern Verhandlungen über Lösegeldzahlungen aufgenommen haben. Das Auswärtige Amt äußerte sich dazu nicht.

Verwirrung um angebliche Befreiung

Zwischenzeitlich gab es Verwirrung um die Situation, nachdem der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit am Rande der UN-Vollversammlung in New York erklärt hatte, die Reisenden seien wieder frei. Sein Sprecher musste diese Aussage etwas später dementieren. Der Minister habe über "unbestätigte Berichte" gesprochen. Die "Lage ist unverändert". Tatsächlich liegen auch dem Auswärtigen Amt in Berlin keine neue Erkenntnisse vor - zumindest nach offiziellen Angaben.

Auch über Lösegeldforderungen wird wild spekuliert. Ägyptische Medienberichte schwanken zwischen sechs Millionen ägyptischen Pfund (783 000 Euro) und 15 Millionen US-Dollar.

Tourismusminister Soheir Garana hatte außerdem berichtet, dass die Entführung nur deshalb bekannt geworden sei, weil es dem ägyptischen Reiseveranstalter, der mit den Entführten unterwegs war, offenbar gelang, seine deutsche Frau per Handy zu erreichen.

Entführt in der westlichen Wüste

Angeblich wurden die Touristen im Gebiet des Gilf El-Kebir entführt, einem Wüstenplatteau, das sich zwischen Ägypten, dem Sudan und Libyen erstreckt. Das Gebiet ist nicht nur berühmt für seine Höhlen mit prähistorischen Malereien, sondern auch für seinen regen Drogen- und Viehschmuggel im Dreiländereck.

Es ist kein Geheimnis, dass auch Touristen in dem schlecht abgesicherten Gebiet ohne weitere Fragen zwischen Ägypten und dem Sudan hin und herfahren. Die nächste asphaltierte Straße liegt 1200 Kilometer entfernt. Für eine Reise in dieses Gebiet werden normalerweise mindestens zwei Wochen veranschlagt. Üblicherweise fahren die Touristen in einem Konvoi von mindestens drei wüstentauglichen Fahrzeugen, falls eines ausfällt oder steckenbleibt.

Für die Reise benötigen die Touristen eine besondere Genehmigung der Verwaltung der Wüstenprovinz und der Geheimpolizei. Normalerweise muss dann ein ägyptischer Polizeioffizier auf die Reise mitgenommen werden.

Bisher keine Entführungen von Touristen

Fälle von Entführungen von Ausländern sind in Ägypten bisher unbekannt. In die Schlagzeilen geraten ist das Land am Nil dagegen immer wieder durch Anschläge auf Touristen, vor vier Jahren in Taba, im Jahr darauf in Scharm El-Scheich, der letzte dann 2006 in Dahab, allesamt Badeorte am Roten Meer auf der Sinai-Halbinsel.

Mitte der 90er Jahren gab es zahlreiche Attentate im Niltal, die dann aber abflauten, nicht nur weil die ägyptischen Behörden Zehntausende für Jahre in den Gefängnisse wegsperrte, die sich einer Mitgliedschaft in einer der militanten islamistischen Gruppen verdächtig gemacht hatten.

Die Gamaa-Islamiya, die „Islamischen Gruppen“, die sich für die meisten Anschläge damals verantwortlich gezeichnet hatte, hatten sich auch zunehmend isoliert, in einem Land in dem schätzungsweise jeder zehnte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Tourismus abhängt.

Ende der 90er Jahre bezeichnete dann sogar die im Gefängnis einsitzende Führung der militanten Islamisten ihre Operationen gegen Touristen als Fehler. Die späteren Attentate im Sinai gingen auf das Konto einer neuen islamistischen Gruppe, die sich vor allem unter den Beduinen im Sinai rekrutiert zu haben scheint.

In der westlichen Wüste, dort wo jetzt die Touristen entführt wurden, wurden bisher weder Attentate noch Entführungsfälle bekannt. Die arabische Fersnehstation Al-Jazeera berichtet allerdings von einem Vorall im Januar in dem eine Gruppe von Touristen in dem gleichen Gebiet angegriffen und deren Autos geraubt wurden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de