Die taz FUTURZWEI-Buchliste Sommer 2026 : Bücher mit Zukunft
Sieben Bücher, die Debatten anstoßen, Perspektiven öffnen und zum Weiterdenken einladen – genau das Richtige für die Hängematte oder den Tag am See.
taz FUTURZWEI | Diese Buchliste wurde kuratiert von der taz FUTURZWEI-Redaktion. Mit Beiträgen von Andreas Fanizadeh (taz-Feuilleton-Chefkorrespondent), Dana Giesecke (wissenschaftliche Leiterin FUTURZWEI), Beate Willms (taz-Ressortleiterin Ökologie und Wirtschaft) und Jan Feddersen (Kurator tazlab und taztalk).
1 _ AGNES CALLARD
Sokrates
Der Sinn des Lebens ist, den Sinn des Lebens suchen zu dürfen. Dieser Sokrates ist einfach genial!
AGNES CALLARD: Sokrates. Wie man durch ein philosophisches Leben die Angst vor fast allem verliert. C.H.Beck 2026 – 429 Seiten, 29,90 Euro
2 _ ARMIN NASSEHI
Anmerkungen zum Antisemitismus
Es geht Nassehi nicht um die Unterschiede zwischen linkem, bürgerlichem, postkolonialem und islamistischem Antisemitismus, sondern um das Gemeinsame, nämlich welches Problem damit gelöst werden soll. Der Judenhass beschreibt die Leerstelle in der Selbstbeschreibung, das, was das Selbst an sich nicht aushalten kann, wird als „Fremdes“ ausgelagert. Brillante Analyse des Münchener Soziologen.
ARMIN NASSEHI: Anmerkungen zum Antisemitismus. Die Funktion der Judenfeindschaft und das westliche Selbstverhältnis. C.H.Beck 2026 – 237 Seiten, 22,00 Euro
3 _ CHRISTOPH HEIN
Das Narrenschiff
Wie die DDR wurde, was sie wurde: Scheiße. Im Kern steht ein autoritäres Zentralkomitee, das untereinander sprachlos ist, keine Ahnung von nichts hat – und immer recht. Und die Leute müssen die Schnauze halten und ein zweites Mal so tun, als laufe alles auf den Endsieg zu. Für Westler ist dieser Roman des großen Christoph Hein brillanter Geschichtsunterricht.
CHRISTOPH HEIN: Das Narrenschiff. Suhrkamp 2025 – 751 Seiten, 28,00 Euro
taz FUTURZWEI, das Magazin für Zukunft – Ausgabe N°37: Nachspielzeit.
Die offene Gesellschaft liegt gegen Rechtspopulisten und Autoritäre höher im Rückstand, als sie wahrhaben will und es bleibt nicht mehr viel Zeit. Politik und Gesellschaft wirken gelähmt. Wir analysieren die Blockaden, suchen Auswege und finden Handlungsspielraum. Mit: Hartmut Rosa, Maja Göpel, Daniel Cohn-Bendit, Karoline Eichhorn, Alina Frieske, Ruth Fuentes, Dana Giesecke, Diana Kinnert, Reinhard Loske, Wolf Lotter, Anna-Verena Nosthoff, Lukas Rietzschel, Uwe Schneidewind, Harald Welzer u. v. m..
4 _ HASNAIN KAZIM
Der Islam und ich
Ein Oldenburger, der mit dem Hund Gassi geht und dabei auf Seltsamkeiten stößt. Der zudem erzählt, wie sich eine wohlhabende Frau in Pakistan bewegt oder der Mullah in Multan spricht. All dies findet sich hier in einem kurzweiligen, lehrreichen Bändchen vereint. Nichts für Folkloristen. Aber für all jene, die wissen möchten, wie die weite Welt mit ihren Kulturkämpfen da draußen so tickt, sei die Lektüre empfohlen. (Andreas Fanizadeh)
HASNAIN KAZIM: Der Islam und ich. Was mich meine Familie, meine norddeutsche Heimat und mein Leben in muslimischen Ländern über den Islam gelehrt haben. Penguin 2026 – 128 Seiten, 20,00 Euro
5 _ MARIA-SIBYLLA LOTTER
Opfer
Das Buch meiner besten Stunden, die ich mit Lektüren verbringe, erklärt so warmherzig wie eisig den politischen und kulturellen Stil unserer Zeit. Im Grunde skizziert Maria-Sibylla Lotter fundiert den Kern linker und linksökologischer Befindlichkeit: Opfer wollen wir alle sein, verletzlich und traumatisiert, prinzipiell. Von Selbstermächtigung, vom Wegstecken von sehr oft bagatelllosen Versehrungen will niemand mehr etwas wissen, ein Opferdasein ratifiziert jede Biografie, so die Philosophin an der Uni Bochum. Wer diesen Kontext verstanden hat, ahnt, woher die Probleme der Klimatransformationsbewegung rühren: Zu viel Selbstbespiegelung macht lahm. Und das ist nicht gut so. (Jan Feddersen)
MARIA-SIBYLLA LOTTER: Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild. Hanser 2026 – 288 Seiten, 25,00 Euro
6 _ KARL MEYERBEER
Worüber wir streiten müssen
Die real existierenden Linken scheinen sich derzeit noch unversöhnlicher zu fragmentieren, als üblich. Der linksradikale Aktivist Karl Meyerbeer versucht zu intervenieren mit einer Streitschrift, die Linken aller Art nur zu empfehlen ist: Streit muss sein, aber so kann er gelingen! (Beate Willms)
KARL MEYERBEER: Worüber wir streiten müssen. Konflikte, Spaltungen und Gemeinsamkeiten in der radikalen Linken. Unrast Verlag 2026 – 144 Seiten, 12,00 Euro
7 _ MICHAEL SUCCOW
Das Abenteuer des Lebens
Der alternative Nobelpreisträger Michael Succow hat zu Wendezeiten in der letzten DDR-Regierung die Naturlandschaften im Osten gerettet. Zum 85. Geburtstag erscheint dieses Buch über sein bemerkenswertes Leben.
MICHAEL SUCCOW mit CHRISTIANE GREFE: Das Abenteuer des Lebens. Erfahrungen und Erkenntnisse eines Ökologen, Weltbürgers und Mutmachers. Oekom Verlag 2026 – 304 Seiten, 28,00 Euro
🐾 Lesen Sie weiter: Dieser Artikel erschien zuerst in der taz FUTURZWEI N°37 mit dem Titelthema „Nachspielzeit“. Jetzt bestellen im taz Shop.