Die Wahrheit: Der kleine weiße Tod

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die Leserschaft an einem Poem über der Deutschen Lieblingsgemüse erfreuen.

Spargelstechen mit Handschuh.

Gut, wenn man Handschuhe trägt Foto: dpa

Der Herr hat uns in seiner Pracht

den Spargel zum Genuss gemacht.

Dazu erschuf er gottgemäß

am siebten Tag die Hollandaise.

Schon Moses schreibt im Alten Bund,

man isst den Spargel nicht pro Pfund.

Zwölftes Gebot: Für höchste Wonnen

braucht’s pro Person zwölf Tonnen.

Um solche Mengen einzufahren

gab Gott uns schließlich die Bulgaren

und zum Beackern der Domänen

beschenkte er uns mit Rumänen.

So mampf ich gänzlich ohne Pause.

Mein Hochamt: täglich Spargelsause.

Ich drücke Stangen, Schinken, Wein

bis Sankt Johannis in mich rein.

Von Hahnenschrei bis Abendmahl,

von Tellern, Schalen, im Pokal,

gibt’s Spargelberge und en masse

auch Buttersoße frisch vom Faß.

Wenn’s dunkel wird, wasch ich die Schalen,

um mich im süßen Sud zu aalen.

Danach füll ich mir Spargelsuppe

in meine Lieblings-Gummipuppe.

So halt ich’s mit der Religion:

Ich futtere wie Gottes Sohn

und sterb dann nach dem letzten Schneuz

den kleinen Tod am Spargelkreuz.

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