Die Wahrheit

Entführt von Bond

Manche Abende sind Männerabende. Dann guckt man sich Männerfilme an. Nur für Helden. Wer will schon von 007 als Geisel genommen werden?

Ich war Dienstagabend im Kino. James Bond. Ein immer wiederkehrendes Ritual unter Freunden: Man verabredet sich und schaut einen Jungsfilm. Ich mache das oft mit meinem Freund Fritz. Wir schauen dann Filme, die unsere Frauen sich niemals ansehen würden. B-Movies, die meist ziemlich scheiße sind, manchmal aber auch ganz wunderbar.

Schon wenn wir uns verabreden, nennen wir uns in den SMS „Bruce“ und „Willis“, denn so ein Kinobesuch ist eine Art Gottesdienst am Heldentum des Mannes. Männer sind Helden! Held zu sein ist unsere natürliche Aufgabe. Mit dieser Bestimmung werden wir geboren. Und wenn du einer bist, bleibst du das ein Leben lang. Held sein hört nie auf.

Mit zehn will man ein Held sein, mit zwanzig muss man ein Held sein, mit dreißig ist man ein Held! Mit fünfzig bleibt man ein Held und mit siebzig kann man auf seine Jahre als Held zurückschauen.

Je älter wir werden, umso weniger Heldentaten kommen zwar dazu, aber umso spektakulärer werden die zurückliegenden Meisterwerke und Bravourstücke. Die ganz verwegenen Taten wurden uns abgenommen von unseren Helden aus Comics, Romanen und Filmen, von den drei Musketieren und d’Artagnan, von Tarzan, Lederstrumpf und dem letzten Mohikaner, von Old Shatterhand und Winnetou.

Manchmal fragen uns Frauen, warum wir überhaupt Helden sein wollen. Das sei doch ganz unnötig.

Denen eiferten wir als Jungs schon nach. Dabei war oft die Schwerkraft unser größter Feind. Kara Ben Nemsi konnte bei seinem Pferd Rih, Old Shatterhand bei Hatatitla in vollem Galopp die Hand zwischen die Ohren legen und dann lief es noch schneller! Als würde man beim Auto raufschalten! Ich ritt beim Jahrmarkt auf einem Pony, im Kreis. In der dritten Runde traute ich mich. Ich legte dem Pony die Hand zwischen die Ohren. Es blieb stehen. So abrupt, dass ich herunterfiel!

Manchmal fragen uns Frauen, warum wir überhaupt Helden sein wollen. Das sei doch ganz unnötig. Einfach so zu sein, wie man eben ist, sei doch völlig ausreichend. Ausreichend! Das ist die Note „Vier“. Allein dass Frauen uns diese Frage stellen, zeigt schon, wie wenig sie uns verstanden haben.

Man darf uns an dieser Stelle ruhig für kindisch halten. Klar sind wir weder Batman noch Superman. Aber allein die Vorstellung, wir wären so, ist herrlich. Eine bekloppte Flucht vor den Realitäten des Lebens sei das? Wir fliehen ja nur stundenweise und kehren dann zurück zu unseren „Nine-to-five“-Jobs, unerkannt in unseren Fähigkeiten und Taten wie Clark Kent.

Darum gehen wir auch in Bond-Filme. Für eine kurze Flucht zu Explosionen, M und Q. Diese Flucht wurde meine längste! Wir wurden entführt! Wir waren in Bonds Gewalt, obwohl wir doch auch die Guten sind! 22.30 Uhr. Nachtvorstellung. 40 Minuten Werbung! Fuck! Um 0.10 Uhr sogar noch eine Pause von 10 Minuten!! Fuckfuck!! Eine Geiselnahme! 50 Minuten lang! Und in der Werbung wurde die beste Pointe des Films vorweggenommen. Im Omega-Spot fragt Bond: „Was kann die Uhr?“ Q schaut irritiert: „Die Zeit anzeigen!“

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