Die Wahrheit: Fit wie ein Steuerberater

Schwabinger Krawall: Weil der Jackie einen Job in der Steuerkanzlei von seinem Onkel ergattert hat, der ihm eingeschärft hat, er müsse am Montag um neun "fit wie ein Turnschuh" antanzen ...

..., hat er zum Hubsi gesagt, dass er höchstens auf ein Bier mitgeht. Der Hubsi hat gefragt, was er bitte schön von Steuern verstehe, wo er noch nie welche gezahlt habe, und für was er in seinem Alter noch einen Job brauche, und der Jackie hat gesagt, es müsse mal eine Ruhe sein mit dem Schmarrn, ab jetzt werde er ein neuer Mensch.

Wie der Hubsi gesagt hat, auf einem Bein könne man nicht stehen, hat er in Gottes Namen noch einen Schnitt bestellt und gesagt, so ein Job habe seine Vorteile, weil er dann nicht mehr auf die Gnade seiner Eltern angewiesen sei, um alle paar Wochen beim Renato seinen Deckel zahlen zu können. Dann ist der Ferrari-Schorsch eingelaufen und hat erzählt, dass die Shiatsu-Masseuse, mit der er seit Dienstag verlobt sei, heute ihren neuen Salon eröffne und dass sich der Jackie nicht so haben solle, weil ihm die Kleine das bisschen Feierei mit drei Handbewegungen aus dem Gesicht massiere und er im Endeffekt hinterher noch fitter sein werde als vorher. Also hat der Jackie noch einen Schnitt bestellt, dann sind sie zu der Party.

Dort hat der Jackie von einer süßen Asiatin eine Litschi-Mango-Bowle gekriegt und ihr erzählt, dass er angehender Steueranwalt sei, dem nur noch ein paar Staatsexamen fehlten, auf die er bei seinem exorbitanten Klientenstamm im Grunde verzichten könne; zudem verdanke er seinen Erfolg der Tatsache, dass er fit wie ein Turnschuh sei, und da hat sie ihm ein zweites Glas serviert und entzückt gesagt, sie werde demnächst Yogalehrerin, achte auch sehr auf ihre Fitness und gehe jeden Tag joggen, und der Jackie hat gesagt, er müsse erst um neun ins Office und ein bisschen Bewegung vorher könne nicht schaden.

Inzwischen war der Hubsi verschwunden und der Ferrari-Schorsch nach einer Streiterei von seiner Shiatsu-Verlobten hinausgeschmissen worden, also ist der Jackie nach der fünften Bowle mit der Asiatin auf einen Absacker in die Sieben und hat auf dem Klo den Hubsi getroffen, der den in der Kabine schluchzenden Ferrari-Schorsch zu überreden versucht hat, sich nicht mit seinem Strumpf zu erdrosseln, weil das kein Hase der Welt wert sei. Dann haben sie die Asiatin unter einem Tisch gefunden, wo noch ein zweites Paar Schuhe rausgeschaut hat, und beschlossen, den Abend woanders ausklingen zu lassen.

Wo das war, hat der Jackie nicht mehr gewusst, wie er am Montagvormittag in seinem Auto aufgewacht ist, mit einer fremden Unterhose an und einer halben Thunfischpizza in der Jackentasche, und wie er in der Kanzlei anrufen wollte, dass er etwas später kommt, hat ihm eine Dame erklärt, man lege keinen Wert auf eine Wiederholung seines morgendlichen Auftritts und werde ihm seine Hose per Post zukommen lassen. Und da war er ganz froh, weil er auf der Pizza die Telefonnummer von der Shiatsu-Tante gefunden und gedacht hat, dass er so genug Zeit hat, sich die Feierei aus dem Gesicht massieren zu lassen.

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