piwik no script img

Die Sau rauslassen

■ 'HeRBERT‘, das Männermagazin des Monats. Exklusiv in der 'Emma‘.

Ein 'Wiener‘ entblödet sich in 'Emma‘. Gäbe es den Preis „Schwachsinn des Monats“, er ginge im Juli an das 'Männermagazin HeRBERT‘, auf 29 Seiten eingebettet in die Mitte des restlichen „Magazins von Frauen für Frauen“ (Emma -Titel). Nachdem Alice Schwarzer in Thomas Gottschalks Show „Wetten, daß...“ Männern die einmalige Chance bot, sich auf der Hälfte ihres Blattes „völlig unzensiert“ auszubreiten, meldete sich die Creme des deutschen Journalismus für dieses Reportagenthema. Und 'Emma‘ hatte einen PR-Gag, der sie vor dem Sommerloch bewahrt. Sieben Männer vor 32 leeren Seiten in einer Frauenredaktion - da muß mann doch die Sau rauslassen! Und brav dem Männerbild entsprechen, das 'Emma“ so gerne beschwört: dumm, schmierig, sülzend. Offenbar nach dem Motto „Gegensätze ziehen sich an“ schreiben sie im Editorial(Titel: „Sauereien müssen sein“): „Eine intelligente Frau ist für uns auch stets sinnlich, sexy, begehrenswert. Nicht für Kopfficks, sondern für Körperkriege.“ Anschließend darf ein Gefängnispfarrer, zu dessen Schäflein auch Vergewaltiger gehören, sich darüber auskotzen, warum Frauen selbst schuld sind, wenn sie vergewaltigt werden (es liegt an ihrer „sexy“ Kleidung). Stern-Reporter Niklas Frank phantasiert über die „schuldigen Mütter“, den Frauen, die an allem schuld sind, vor allem an Hitler. Und an Geißler, Diepgen, Albrecht selbstverständlich auch. Anstatt sich immer nur um den kleinen Niklas zu kümmern, „genossen sie auch für Camel und Speck als „Ami -Schicksen“ die große Kopulation. Schön war die Niederlage. An so viel Dummheit kann schließlich nur die Mutter schuld sein. Im Magazin für den Nachwuchs, 'Bub‘ wird über die Initiation als „wüster Stecher“ geseiert, Töchtern wird empfohlen, mindestens ein lesbisches Erlebnis im Leben zu haben, „damit du selbst fühlst, wie köstlich Frauenleiber auf uns wirken.“

In ihrem Editorial schweigen die Emma-Frauen zu den dummdreisten Sexismen, die ihre Kollegen absonderten. Statt dessen sehen sie die „schlimmsten Machos“ in Hamburg, beim 'Spiegel‘. Dort hatte ein Ressortleiter die Reportage des Ex -'Wiener'-Redakteurs Fuss über seinen Einsatz bei Emma nicht ins Blatt genommen. Warum nicht? Emma weiß wie immer Bescheid: weil die Attacken gegen Alice Schwarzer ausblieben. Andere Gründe kann es schließlich nicht geben.

Wir danken dem 'Spiegel‘, daß er uns diese Sülze ersparte. Wo erscheint sie statt dessen? Im 'Wiener‘. Wo sonst.

Gunhild Schöller

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen