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■ Denkmalpflege im siebenbürgischen KlausenburgDie Leidenschaften des Herrn Funar

Budapest (taz) – Der Klausenburger Bürgermeister lehrte vor dem Sturz des Diktators Ceaușescu Marxismus-Leninismus an der landwirtschaftlichen Fakultät der siebenbürgischen Stadt. Vom Kommunismus zum Ultranationalismus war es für den chronisch nervösen Mittvierziger ein kleiner, logischer Schritt. Gheorghe Funar wurde Chef der chauvinistischen „Partei der nationalen Einheit Rumäniens“. Den Bürgermeisterposten nutzt der Polit-Agronom, um endlich seine drei wilden Leidenschaften voll auszuleben: Archäologie, Statuen und Rumänentum.

Der Haß gegen die ungarische Minderheit in Rumänien erfüllt Gheorghe Funar mit Leben und Tatendrang. In den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit verging kaum eine Woche, in der er nicht versuchte, die 80.000 Ungarn in der 400.000-Einwohner-Stadt zu provozieren und zu demütigen. Schon immer war ihm zum Beispiel die Statue des ungarischen Königs Mathias Corvinus (1458 – 1490) auf dem Hauptplatz der Stadt ein Dorn im Auge. Also ließ er zunächst (unter massivem Polizeischutz) die ungarische Inschrift auf dem Sockel des Reiterstandbildes entfernen. Doch das reichte ihm nicht. Jetzt möchte er auch noch den gesamten Platz aufreißen und umgraben lassen. Funars Hirn hat nämlich die fixe Idee ergriffen, unter dem Hauptplatz seien Jahrtausendealte römische Siedlungen verborgen. Obgleich es für diese Annahme nicht das geringste Indiz gibt und der fanatische Bürgermeister bisher auch niemandem verraten konnte, wer ihm das Geheimnis eingeflüstert hat, so geht der Unsinn doch mit einem großen Vorteil einher: Die Mathias-Statue müßte an einen anderen Ort (möglichst abseitig, versteht sich) geschafft werden. Und vielleicht erleidet sie beim Transport durch einen unglücklichen Zufall ja sogar einen nicht unerheblichen Schaden...

Wenn der Verkehr durch die Ausgrabungen monatelang lahmgelegt wird, ohne daß die Archäologen auch nur einen abgenagten Knochen oder einen versteinerten römischen Kothaufen finden – es wäre nicht schlimm. Denn am Falle Klausenburgs ist längst bewiesen, daß a) in den nahe der Stadt gefundenen Ruinen namens Napoca Römer gehaust haben, b) sie sich mit dem rumänischen Hirtenvolk zu einer lateinischen Hochkultur vermischten, die c) zweitausend Jahre lang erfolgreich gegen Slawen, Magyaren und allerlei andere Barbaren kämpfte und ergo d) seit ebenso langer Zeit über ein nationales Bewußtsein verfügt. Soweit die „Kontinuitäts-Theorie“ der Archäologen.

Damit sich die Theorie im allgemeinen Bewußtsein als Tatsache erhärtet, heißt die Stadt im Rumänischen ja auch nicht einfach Cluj, sondern Cluj-Napoca. Was übrigens Ceaușescu verfügte. Um das römisch-rumänische Element der von Ungarn erbauten Stadt noch intensiver zu betonen, möchte Funar sie nun in Napoca-Cluj umbenennen. Nach einigen Jahren, wenn sich die Bürger an die verkehrten Verhältnisse gewöhnt haben, soll dann das Cluj wegfallen.

Leider hat Funar oft Pech, wenn seine Vorhaben umgesetzt werden – wie die Tragödie der neuen, 23 Meter hohen Avram-Iancu-Statue beweist. Der Sockel, auf dem der rumänische Revolutionär (1824 bis 1872) steht, ist zu schmal und zu schlecht konstruiert. Der mit teuren Dollars produzierte Held droht umzustürzen. Bereits sechs Grad neigt er sich dem Nationaltheater zu. Aber vielleicht zerschmettert Iancu ja gerade nach einer Vorstellung. Vielleicht kommen gerade einige Ungarn aus dem Gebäude. Das drohende Schwert reicht in der Länge bis zu den Stufen des Theaters... So wäre der Verlust wieder ausgeglichen. Keno Verseck

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