Die Finanzkrise fordert weitere Opfer: Bei der BayernLB rollen die Köpfe

Wegen Fehlspekulationen in Milliardenhöhe muss Bayern LB-Chef Werner Schmidt gehen. Die Finanzkrise treibt die Flurbereinigung unter den deutschen Landesbanken voran.

Zieht die Konsequenz aus Fehlspekulationen: BayernLB-Chef Werner Schmidt Bild: dpa

Das neuste Opfer der Finanzkrise heißt Werner Schmidt. Der Chef der bayerischen Landesbank BayernLB trat gestern nach heftigen Querelen zurück. Urplötzlich hatte sein Institut vergangene Woche mitgeteilt, durch die Krise müssten 1,9 Milliarden Euro Verluste abgeschrieben werden. Dabei hatte es Schmidt aber versäumt, rechtzeitig dem bayerischen Finanzminister Erwin Huber Bescheid zu geben, der immerhin Vizeverwaltungsratsvorsitzender BayernLB ist. Noch einen Tag vor Bekanntgabe der Belastungen hatte Huber entsprechende Berichte als pure Spekulation zurückgewiesen. Seither fordert die Opposition in Bayern Hubers Rücktritt.

Die BayernLB ist nicht die einzige Landesbank, die von der Finanzkrise betroffen ist. Vor allem die SachsenLB und die WestLB hatten sich ebenfalls mit faulen US-Hypotheken verspekuliert. Und das soll nun Konsequenzen haben. "Diese Krise wird nicht ohne Folgen bleiben können für die Struktur der Landesbanken", erklärte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow in Berlin. Die Bundesländer sollten für "leistungsfähige Einrichtungen mit funktionierenden Geschäftsmodellen" sorgen.

Gescheitert ist jedenfalls der Versuch der Landesbanken, Geld auf den globalen Finanzmärkten zu verdienen. Sie verzockten sie sich in großem Umfang mit den Immobilienkrediten aus den USA. Und so musste das Land Sachsen eine Bürgschaft von 2,7 Milliarden Euro für seine - inzwischen an die Baden-Württemberger LBBW verkaufte - Landesbank übernehmen. Die WestLB musste mit insgesamt 5 Milliarden Euro gestützt werden.

Aus dem Debakel könnte die LBBW als Gewinnerin hervorgehen. Der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider, warb unlängst für ein Zusammengehen der Landesbanken. Die Sparkassen bräuchten zwar Landesbanken, um Zugang zum Auslandsgeschäft und zum Kapitalmarkt zu bekommen. "Wir brauchen aber im Zweifel eine Landesbank, nicht sieben", fügte er hinzu. Die LBBW habe im vergangenen Jahr ernsthaft eine Fusion mit der angeschlagenen WestLB und der BayernLB geprüft. Es sei möglich, meint Schneider, nach der Landtagswahl in Bayern erneut Gespräche aufzunehmen.

Auch im Norden geht die Flurbereinigung voran. Erst vergangene Woche hatte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bekräftigt, sein Land sei "offen für Beteiligungen und andere Partner" bei der NordLB, Niedersachsens und Sachsen-Anhalts gemeinsamer Landesbank. Am Dienstag drohte der Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbands, Thomas Mang, mit einem Ausstieg aus der NordLB, falls Wulff den Plan nicht aufgebe.

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