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Deutsche Wissenschaftler in den USAAtlantik­brücke für die Forschung

Das Netzwerk für deutsche Wissenschaftler in den USA will Nachwuchskäfte für Deutschland werben. In der Ära Trump gibt es neue Herausforderungen.

Brücken bauen – das macht Humboldt in der Wissenschaft, nun bilden seine Nachfahren im Geiste Brücken über den Atlantik Foto: Peter Schickert/imago

Es ist das traditionelle „Familientreffen“ der deutschen Wissenschaftler in den USA: die GAIN-Tagung, die Ende August in Boston beginnt. GAIN steht für „German Academic International Network“, ein Netzwerk, das seit 25 Jahren bis zu 600 Forscher und Hochschuldozenten versammelt. Hauptziel des Meetings ist es eigentlich, den Nachwuchswissenschaftlern durch attraktive Angebote die Rückkehr in ihre deutsche Heimat zu bahnen. Doch in diesem Jahr ist es anders, und das liegt an Donald Trump.

Organisiert wird die GAIN-Tagung von der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Drei Tage lang erhalten die Postdocs intensive Beratung zur Karriere­planung in Deutschland. Über 25 Workshops geben­ Einblick in Berufungsverfahren, Tenure-Track-Karrieren oder die Arbeit in internationalen Organisationen. Auf einer „Talent-Messe“ präsentieren rund 80 deutsche Forschungseinrichtungen ihre Karrierechancen und offene Stellen. Eröffnet wird die Tagung vom Staatssekretär des Bundesforschungsministeriums, Rolf-Dieter Jungk. Auch eine fünfköpfige Delegation des Bundestags-Forschungsausschusses unter Leitung des CDU-Abgeordneten Stephan Albani ist angereist.

Die bisherigen Treffen verfolgten das Ziel, den „Braindrain“ – die Abwanderung deutscher Forscher in das damalige Wissenschaftsparadies USA – zu stoppen. Durchaus mit Erfolg, denn eine 2017 erstellte Verbleibsstudie zu rund 800 Teilnehmern der GAIN-Tagungen in den Jahren 2004 bis 2011 ergab, dass 60 Prozent von ihnen nach einem USA-Aufenthalt im Durchschnitt von zwei Jahren wieder nach Deutschland zurückgekehrt waren.

Doch seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump und seinen Angriffen auf die US-Wissenschaft hat sich die Lage verändert. „Wir alle, die Wissenschaftsgemeinschaft in Deutschland ebenso wie weltweit, verfolgen diese Entwicklung mit Entsetzen“, sagte die DFG-Präsidentin Katja Becker. „Wir sind erschüttert, in welchem Ausmaß die Wissenschaftsfreiheit in dem Land, das bislang als Goldstandard für freies Denken und wissenschaftliche Exzellenz galt, beschnitten werden.“

Für DAAD-Präsident Joy­brato Mukherjee ist es daher umso wichtiger, „gerade jetzt unsere Part­ne­r:in­nen in den USA zu unterstützen und gemeinsam die deutsch-amerikanischen Hochschulkooperationen auszubauen“. Dazu zählt auch das „1.000 Köpfe“-Programm der neuen Bundesregierung zur Anwerbung ausländischer Wissenschaftler. Das heimliche Hauptthema der GAIN-Tagung wird daher in diesem Jahr sein, wie bedrängten US-Forschern eine Brücke nach Deutschland gebaut werden kann.

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