: Deutsche Revolte?
■ Kasseler Knastaufstand: Algerische Häftlinge schlossen sich Deutschem an
Kassel (AFP) – Die Gefängnisrevolte am vergangenen Wochenende in Kassel ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem deutschen Häftling ausgegangen, der wegen eines Bankraubes einsaß. Die lange Haftstrafe des Bankräubers sei zwei Tage vor der Geiselnahme vom Berufungsgericht bestätigt worden, so die Kasseler Anklagebehörde gestern. Nach den Ermittlungen stellte der Deutsche eine Bombenattrappe her, mit deren Hilfe er in die Freiheit gelangen wollte. Als er die Justizbeamten bedrohte, konnten diese ihn jedoch überwältigen. Daraufhin seien die algerischen Abschiebehäftlinge eingeschritten und hätten den Aufseher als Geisel genommen. Offen sei dabei noch, ob es Absprachen mit den Algeriern gegeben habe, sagte Wagner. Die zuletzt noch 26 Geiselnehmer sollten am Montag morgen nach einer Vereinbarung mit der Polizei in ein Wiesbadener Gefängnis verlegt werden. Kurz darauf war das Geiseldrama ohne Blutvergießen beendet worden. Der an den Verhandlungen beteiligte Dolmetscher bestätigte, daß die Häftlinge auch die Geisel und einen Beamten der Verhandlungskommission mit in den Polizeibus genommen hatten. Dies habe der Vereinbarung mit der Polizei widersprochen. Daraufhin hatten Mitglieder der GSG9 den Bus gestürmt. Vor dem Eingreifen der GSG9 hatte die Polizei nach eigenen Angaben den Häftlingen ein dreiminütiges Ultimatum gestellt, die Geiseln herauszugeben. Der Dolmetscher bezeichnete dies jedoch als „eindeutig unwahr“. Die Häftlinge hätten davon nichts wissen können. „Ich habe so etwas nicht übersetzt.“ Wie der Dolmetscher weiter sagte, hatten die Geiselnehmer gefordert, daß ein Journalist über ihre Anliegen berichten und den Transport nach Wiesbaden begleiten soll. Es habe sich jedoch herausgestellt, daß der angebliche Journalist ein Reporter der Polizei gewesen sei. Den Schaden im während der Revolte verwüsteten Gefängnistrakt schätzt die Knastleitung auf vier Millionen Mark. Die Häftlinge sollen an den Aufräumarbeiten „beteiligt“ werden.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen