: Der kaukasische Zankapfel
■ Seit jeher war die Hauptstadt der sowjetischen Republik Aserbaidschan von vielen Völkern begehrt / Heute ist Baku eines der bedeutendsten Zentren der Erdölindustrie
Baku, die „Stadt der Bergwinde“, liegt an der Südküste der Kaukasus-Halbinsel Apscheron. Sie verfügt über den besten natürlichen Hafen am Kaspischen Meer. Mit rund 1,7 Millionen Einwohnern liegt die Hauptstadt der Sowjetrepublik Aserbaidschan derzeit innerhalb der Sowjetunion an fünfter Stelle. Ein knappes Drittel der Einwohner verteilt sich auf entlegenere Stadtsiedlungen. Groß-Baku, in elf Verwaltungsdistrikte gegliedert, bedeckt inzwischen fast die gesamte Halbinsel und einen Teil der vorgelagerten Inseln.
Wirtschaftliche Basis der Stadt ist immer noch die Erdölförderung und -verarbeitung, auch wenn die Produktion seit langem nur noch einen Bruchteil der sowjetischen Gesamtmenge ausmacht. Anfang dieses Jahrhunderts deckten Bakus Ölfelder, damals die größten der Erde, rund 50 Prozent des Weltbedarfs. Bis in die 40er Jahre behielten die Förderstätten für die UdSSR ihre zentrale Bedeutung und lieferten im Zweiten Weltkrieg den für die Rote Armee lebenswichtigen Treibstoff. Heute ist Baku eines der größten Zentren für den Anlagenbau in der Erdölindustrie, verfügt aber auch über bedeutende Schiffs- und Maschinenbaustätten.
Seit jeher Zankapfel zwischen Mongolen, Türken, Persern und Russen, fällt die Stadt 1723 an Zar Peter den Großen, der in ihr ein Tor zum Orient sieht. Ab 1735 gehört sie wieder zum Perserreich, bis sie 1806 endgültig Rußland einverleibt wird. Die im 19.Jahrhundert einsetzende Industrialisierung eine Ausbeutung der Ölquellen größeren Stils beginnt 1872 lockt Scharen von Arbeitern verschiedener Nationalitäten an; Baku wird zur Vielvölker-Stadt. 1904 setzt sich die Bevölkerung aus 41 Prozent Aserbaidschanern, 26 Prozent Russen und 18 Prozent Armeniern zusammen - Anteile, die sich bis heute wenig verschoben haben. 1905 schürt die Moskauer Zentralregierung, durch einen Sreik am 1.Mai bedroht, die unterschwelligen Feindseligkeiten der Volksgruppen und zettelt Pogrome an. Nach der Oktoberrevolution etabliert sich die UdSSR 1920 endgültig in der Region. Aserbaidschan wird zur sowjetischen Republik mit der Hauptstadt Baku ausgerufen.
Von den etwa 260.000 Einwohnern der autonomen Republik Nachitschewan im südlichen Teil des transkaukasischen Plateaus sind 95 Prozent Aserbaidschaner, der Rest Armenier und Russen. Die gleichnamige Hauptstadt Nachitschewans hat eine wahrscheinlich bis 1500 v.Chr. zurückgehende Geschichte. Bis 1828 war sie die Metropole eines Khanats, des Herrschaftsbereiches eines persischen Statthalters. Danach fiel Nachitschewan an Rußland und wurde 1924 zur autonomen Sowjetrepublik. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, die aufgrund des trockenen Klimas hauptsächlich mit künstlicher Bewässerung betrieben wird. Getreide, Baumwolle, Tabak, Maulbeeren für Seidenraupen und Obst sind Hauptanbauprodukte. An Bodenschätzen gibt es Salz, das Erz Molybdän und Blei. Die Industrie beschränkt sich weitgehend auf die Baumwollentkernung sowie die Produktion von Seide und Lebensmitteln.
dpa
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