: Der „kämpferische Dicke“ geht
Nach acht Jahren Amtszeit verläßt Baustadtrat Orlowsky das Berlin-Kreuzberger Rathaus ■ Aus Berlin Rita Hermanns
„Unser Dicker ist der Beste“, verkündete die Kreuzberger AL vor vier Jahren stolz auf ihren Wahlplakaten und brach damit das Tabu der Berliner Alternativen, Wahlkampf mit Personen zu machen. Aber der „Dicke“, Baustadtrat Werner Orlowsky, inzwischen 61 Jahre alt und nie Mitglied der AL gewesen, war auch nicht irgendwer. Nach nunmehr acht Jahren räumt er seinen Schreibtisch im Rathaus.
Die berüchtigte politische Unkonventionalität des kämpferischen ehemaligen Parfümeriebesitzers war es, die vor allem den ordnungsliebenden Sozialdemokraten solche Kopfschmerzen bereitete, daß sie vor acht Jahren seinen Einzug ins Rathaus verhindern wollten.
Zur Politik gekommen ist der populäre Mann aus echter alternativer Betroffenheit. Ein Bauungetüm namens „Neues Kreuzberger Zentrum“ wurde ihm in den siebziger Jahren vor die Nase gesetzt. Die häßliche Wohnmaschine zerstörte den „Kiez“ am Kottbusser Tor und vertrieb die Besitzer der kleinen Läden. Werner Orlowsky ging auf die Straße und sympathisierte mit HausbesetzerInnen, die gegen die sozialdemokratische Variante von Wohnraumzerstörung protestierten. Er ließ sich in Kreuzberger Straßen sehen, besonders wenn irgenwo etwas los war. Vermittelnd, manchmal auch polternd war er bei Hausräumungen vor Ort, demonstrierte, seine üppige Figur nur mit einem Bademantel bedeckt und mit einer kleinen Badewanne ausgestattet, für ein Schwimmbad in Kreuzberg. Eigentlich wäre er beim rot -grünen Senat gerne Bausenator geworden, das Ressort wurde aber der SPD zugeschlagen. Nun denkt er über Aufsichtsratsmandate in städtischen Wohnungsbaugesellschaften nach.
Seine Nachfolgerin, die Städteplanerin Franziska Eichstädt, ebenfalls nicht Mitglied der AL, kennt als langjährige Geschäftsführerin der selbstverwalteten Kreuzberger „Stattbau„-Gesellschaft die Probleme im „Kiez“. Auch handfeste Erfahrungen mit Kritikern aus der autonomen Szene hat sie schon gemacht. Die verwüsteten vor einigen Monaten aus Protest gegen die integrative Politik des Vereins dessen Geschäftsräume.
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