: Der Schuld(en) bewußt sein
■ Gewerkschafter beklagen die negativen Auswirkungen der Schuldenpolitik
Berlin (lbn) - Die Politik von Weltbank und Internationalem Währungsfond (IWF) hat nach Ansicht von Gewerkschaftern und Wissenschaftlern insgesamt nicht zu wirtschaftlichen Verbesserungen in der „Dritten Welt“ geführt. Auf einer Informationsveranstaltung des Berliner DGB am Montag mit Teilnehmern aus mehreren Ländern plädierte Prof. Kisker (FU) für einen generellen Schuldenverzicht. Eine Schuldenrückzahlung sei unmöglich, da z.B. die BRD „über Jahre hinaus mehr importieren als exportieren müßte“, sagte Kisker. Dies würde die hiesige Wirtschaft in eine Krise bringen. Ein genereller Schuldenerlaß sei zwar nicht der „Königsweg“, aber die einzige Möglichkeit.
Die weiter steigende Not in den verschuldeten Ländern beruht nach Meinung des SPD-Bundestagsabgeordneten Gert Weisskirchen auf den „unsolidarischen Beziehungen“ zwischen reichen und armen Ländern. Die Verbesserung dieser Beziehungen sei eine „Frage des Überlebens für uns selbst“, sagte er. Thomas Ebermann von den Grünen bezeichnete es als verfehlt, von einer „gescheiterten“ Politik von IWF und Weltbank zu sprechen. Diese Politik habe, vor dem „Hintergrund des Kolonialismus“ betrachte, vielmehr „brilliant funktioniert“.
Der Vertreter der türkischen Gewerkschaftsbewegung, Kemal Daysal, wies darauf hin, daß in der Türkei auf Vorschlag des IWF 1980 Maßnahmen in Kraft getreten seien, die bis heute keinen Nutzen für die türkische Wirtschaft gehabt hätten.
dpa
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