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Der Maler als politischer Aktivist

Barney Newman nannten ihn, zärtlich und mitleidig, seine Freunde und Feinde. Der korpulente Herr mit dem Schnurrbart war eloquent und mutig, aber etwas verkniffen. Ausgerechnet er setzte Ende der 40er Jahre auf eine radikale, großzügige, gegenstandslose Malerei, für die er anfangs verlacht und gegen Ende seines Lebens maßlos verehrt wurde.

Der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gelang es, für die laufende Ausstellung Gemälde zu leihen, die die ganze Entwicklung des 1970 verstorbenen New Yorker Künstlers zeigen, von frühen, tastenden Versuchen mit Streifen bis zu einem monumentalen Format in Rot, „Anna's Light“ – eines der stärksten Kunstwerke, das zur Zeit in Europa zu sehen ist –, bevor es in sein japanisches Museum zurückkehrt. Die Düsseldorfer Ausstellung zeigt außerdem die beiden Grafikzyklen Barnett Newmans und sämtliche sieben Skulpturen. Die meisten versinnbildlichen die „zips“ (die Reißverschlüsse) aus seinen Gemälden: zackige Säulen mit viel Luft. Verwirrend aber ist der „Lace Curtain for Mayor Daley“, ein großes Stahlfenster aus Stacheldraht, symbolhaft rot benetzt. Bürgermeister Richard Daley hatte die Vietnamkriegsprotestierer beim Parteitag der Demokraten 1968 in Chicago brutal niederknüppeln lassen, eine prägende Erfahrung der sich formierenden Linken. Wie aber kommt der Stacheldrahtvorhang in das Werk Barnett Newmans, des Theoretikers der Erhabenheit? Die taz befragte Armin Zweite, Direktor des Museums, der es wissen muß. uezFoto: Katalog

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