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Der GAU und das linke Zeitungsprojekt Tschornobyl 1986 oder auch – unser Überlebensbooster

Auf die Reaktorkatastrophe in Tschornobyl folgten viele neue Leser:innen für die taz. Bis heute gilt es als wichtiger Meilenstein für unser Fortbestehen.

Foto der Titelseite vom 3. Mai 1985: Die taz veröffentlichte Strahlungswerte – und witzelt. Foto: taz

Aus der taz | Die Reaktorkatastrophe in Tschornobyl vom April 1986 wird in der taz-Geschichtsschreibung immer wieder als wichtiger Meilenstein für die Entwicklung der Abokurve erwähnt.

Innerhalb weniger Tage nach der Kernschmelze in der sowjetischen Ukraine gingen so viele Bestellungen bei der taz ein, dass in der Aboabteilung in Extraschichten und auch am Wochenende gearbeitet werden musste.

Die taz hatte mit der täglichen Veröffentlichung von Becquerelwerten auf ihren Titelseiten für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Expertise der taz-Redaktion, die ja aus den sozialen und umweltpolitischen Bewegungen der siebziger Jahre, also auch aus der Anti-AKW-Bewegung, hervorgegangen war, war auf einmal stetig gefragt.

So stieg die Anzahl der Abos vom April 1986 bis zum Jahr 1987 von 29.000 auf 37.000 Abos. Für die damals noch sehr kleine und ständig unterfinanzierte taz ein massives und erfreuliches Wachstum von fast 28 Prozent.

Blattreform, Marketing – und Reaktorkatastrophe

Zur ganzen Wahrheit gehört auch: Die taz hatte im Jahr vor „Tschornobyl“ ihre erste große Blattreform und eine ihr gewidmete Marketingkampagne durchgeführt, die schon ab Herbst 1986 zu einem starken Anstieg der Abokurve führte. Die Reaktorkatastrophe kam also zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die taz nicht nur inhaltlich, sondern auch in ihrer Erscheinungsweise und Öffentlichkeitsarbeit verbessert hatte.

Und auch zur Wahrheit gehört: Nicht alle der durch Tschornobyl hinzugewonnenen Abo blieben dauerhaft.

Bereits im Jahr 1988 ging die Abokurve schon wieder zurück, und es mussten und müssen bis heute unzählige Abokampagnen, Marketingmaßnahmen und – zum Glück schon lange nicht mehr nötige – Rettungskampagnen durchgeführt werden, um immer wieder neue oder auch ehemalige Le­se­r*in­nen vom Wert der taz zu überzeugen.

Fluktuation der Abo-Kurve

Trotzdem können wir sagen, dass die Abokurve durch den Super-GAU einen nachhaltigen – möglicherweise sogar überlebenswichtigen – Booster bekommen konnte.

Bis heute zeichnet sich die taz durch ihren fundierten Umwelt- und Klimajournalismus und auch sonst durch ihre kritischen und unabhängigen Recherchen aus. Die Abokurve ist insbesondere durch die Diversifizierung unserer Angebote inzwischen auf über 50.000 angestiegen.

Aber nach wie vor und umso mehr in der heutigen schnelllebigen Welt gibt es bei den Abos viel Fluktuation. Bis heute bilden sie die wesentliche Finanzierungsgrundlage der „tageszeitung“. Deshalb spinnen wir weiter an Kampagnen und Werbeaktionen und benötigen immer wieder neue Abos, um die Finanzierung der taz zu sichern.

🐾 Zukunft für die taz, nicht für die Atomkraft. Hier das passende Angebot wählen: taz.de/abo