Der Fortsetzungsroman: Kapitel 19: Das Raumschiff

Was bisher geschah: Die Blipiden suchen Arbeitskräfte für die Marshmallow-Minen.

Ra(e)umpatrouille am Brandenburger Tor. Bild: dpa

Als Jenny den Kopyshop an diesem Tag betrat, standen die beiden Professoren zusammen mit FP Chi vor einem großen Stadtplan. Professor Median hielt sein blaues Klemmbrett in der Hand und machte sich Notizen, Professor Phäno betrachtete sich versonnen eine Schneekugel mit dem Brandenburger Tor. Auf dem Boden wuselte Major Canis herum. Als er Jenny sah, fiepte er zweimal blechern und umkreiste sie in enger werdenden Bewegungen. Vom Ersten Maat C2H5OH war nichts zu sehen.

„Ah, gut, dass du kommst, Jenny.“ FP Chi nickte ihr zu. „Wir wollen Arbeitskräfte für die Marshmallow-Minen rekrutieren. Kannst du uns eine Gegend empfehlen, in denen die Bewohner besonders kräftig und arbeitsam sind? Wie wäre es denn zum Beispiel mit Dahlem?“

Professor Phäno maß mittels einer Fingerspanne die Distanz von Mitte nach Dahlem.

„Dahlem ist vor allem eins: ruhig. Wenn du in Dahlem auf deiner Terrasse Kartoffelchips isst, hast du gleich eine Nachbarschaftsklage wegen Lärmbelästigung am Hals, so ruhig ist es da.“

„Programmierbare Kartoffeln.“ Professor Median machte sich eine Notiz. „Doch nicht so primitiv, dieser Planet hier.“

„Nein, das sind dünne Kartoffelscheiben, die heißen hier Chips.“ Jenny wandte sich wieder FP Chi zu. „Aber es gibt natürlich die Freie Universität. Zehntausende von Studierenden, die zu allem bereit sind, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Kellner, Medikamentenexperimente, Prostitution, die machen alles. Manche arbeiten sogar an der Uni.“

„Wie viel wiegt ein Student?“, fragte Professor Median, und Professor Phäno schüttelte die Schneekugel.

„Das ist wichtig für die statischen Berechnungen des riesigen unterirdischen Gänge- und Höhlensystems, das wir bald anlegen werden.“ FP Chi rieb sich die Hände.

„Die Studentinnen werden begeistert sein.“ Jenny sah sehr zweifelnd drein.

„Es wird ihnen gar nichts anderes übrig bleiben, als begeistert zu sein. Schließlich haben wir das hier.“ Professor Phäno fuchtelte mit der Schneekugel vor Jennys Gesicht herum. „Wir wissen jetzt, wie ihre Götter auf R-D gekommen sind. In diesem Raumschiff.“ Er deutete auf das Brandenburger Tor, „Und ihre Macht war so groß, dass Marshmallows vom Himmel fielen.“ Wieder schüttelte er die Kugel. „Und seht nur, hier steht auch, wo wir das Raumschiff finden.“ Er deutete auf die Schriftzeile am Fuß der Schneekugel. Jenny entzifferte randenburger Tor.

„Eine Straße mit R, wie der Supervisor uns gesagt hat.“ Professor Phäno war in seinem Element.

„Aber hier fehlt ein B, der Ort heißt Brandenburger Tor. Jemand hat das selbst beschriftet. Wo hast du das überhaupt her?“ Jenny runzelte die Stirn.

„Hier war so ein Versicherungsvertreter, der wollte die Kopierer gegen Diebstahl versichern. Aber den haben wir abgewimmelt.“ Professor Median nickte Professor Phäno zu. Dieser sagte: „Und das hat er uns zum Abschied gegeben, falls es wir uns anders überlegen. Unten steht seine Adresse.“ Professor Phäno drehte die Schneekugel um, dass es stiebte.

„Darf ich mal?“ Jenny nahm Professor Phäno die Schneekugel aus der Hand. „Schau doch mal, das sind selbstklebende Buchstaben.“ Sie pulte das kleine r auch noch ab. „Jetzt heißt es andenburger Tor.“

FP Chi runzelte die Stirn. „Du meinst, das ist keine Straße mit R? Der Supervisor hat ja auch gesagt, es sei die Rchrzzzztrzkskrzstraße, nicht das Rchrzzzztrzkskrztor.“

„Aber die doppelten Dreifachturbodüsen, das Kontrollkreuz auf der Spitze, das muss ein Raumschiff sein. Können wir es nicht wenigstens einmal ansehen? Bitte, FP Chi. Bötte, bötte, bötte.“ Professor Phänos Stimme bekam etwas Flehendes.

„Das Brandenburger Tor ist aus Stein. Habt ihr schon mal ein Raumschiff aus Stein gesehen?“, fragte Jenny.

„Bötte, bötte, bötte, FP Chi“, sagte auch Professor Median. „Wir wollen das versteinerte Raumschiff sehen. Vielleicht steht es genau da, wo die Marshmallow-Vorkommen sind.“

„Also gut“, sagte FP Chi, und die Professoren stießen ein Jubelgeheul aus. „Schauen wir uns das Ding mal aus der Nähe an.“

In diesem Moment trat C2H5OH zu ihnen. Sein und Jennys Blick trafen sich.

„Genau zum richtigen Zeitpunkt, Erster Maat“, sagte FP Chi. „Wir machen einen kleinen Ausflug.“ Zu Jenny sagte sie: „Gibt es dort in der Nähe ein Schuhgeschäft? Diese Pumps bringen mich um.“

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