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Der Außenminister und das schwarze Schaf

■ Kinkel erhält Preis der Friedensbewegung für seine Export-Verdienste

Berlin (taz) – Schafe sind dumm. Sie stehen im Vorland deutscher Wattenmeere herum, fressen eines der größten Vogelschutzgebiete der Welt kaputt, haben Angst vor Dackeln und springen vor lauter Panik auch schon mal in einen Priel, um dort jämmerlich zu ertrinken. Schafe sind im allgemeinen schmuddelig weißgrau. Ab und an sind sie allerdings auch schwarz. Ein solches schwarzes Schaf, aus Tierschutzgründen natürlich aus Holz, hat in diesen Tagen seinen Weg ins Auswärtige Amt angetreten. Mitten unter Bergen von Weihnachtspost wartet es darauf, Außenminister Klaus Kinkel pünktlich zum Fest zu beglücken. Und damit der Minister des Äußeren auch weiß, warum ihn dieses Glück ereilt, ist dem Tierchen eine hochoffizielle Urkunde verschiedener Organisationen der Friedens- und Menschenrechtsbewegung beigelegt.

Kommt Herr Kinkel dazu, einen Blick auf das Schriftstück zu werfen, so wird ihm klar: Da hat ihn ein Preis ereilt. Denn mit dem „Schwarzen Schaf“ wollen Gruppen wie das Rüstungs-Informationsbüro Baden-Württemberg Persönlichkeiten würdigen, „die sich in besonders nachdrücklicher und engagierter Weise für die Steigerung bundesdeutscher Rüstungsexporte eingesetzt“ haben. Und Klaus Kinkel hat sich nach Ansicht der Anti-Rüstungsexport-Büros wahrlich verdient gemacht. Immerhin bewirkte er 1992 die Aufhebung des Lieferstopps deutscher Waffen in die Türkei, so daß die ersten von 46 „Phantom“-Fliegern in das Bürgerkriegsland geliefert werden konnten. Gelobt werden ebenfalls Kinkels Bemühungen um die Wiederaufnahme bundesdeutscher Wirtschaftsbeziehungen mit China. Immerhin gelang es ihm dabei, „die von amnesty international dokumentierte katastrophale Menschenrechtslage in China zu ignorieren“. Gewürdigt wird aber auch Kinkels beispielloser Einsatz für die Aufstellung des deutsch-französischen Euro- Korps und Bundeswehreinsätze unter UNO-Flagge. Die Urkunde zum „Schwarzen Schaf“ des Jahres92 ernennt Herrn Kinkel aufgrund seiner Fähigkeiten „zu einem der bedeutendsten Botschafter deutscher Militär- und Wirtschaftsinteressen in and out of area“. Ob der Minister mit seinem Schaf glücklich wird, bleibt abzuwarten. Ein Platz unterm Tannenbaum findet sich sicherlich, immerhin sind in deutschen Stuben doch weihnachtliche Krippen üblich. flo

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