: Dem AKW Mülheim-Kärlich droht die Abrißbirne
■ Bis zu einer Milliarde Mark wird die Entsorgung des Meilers kosten. Während die Mitarbeiter weinen, beklagen die Manager und Umweltministerin Merkel negative Folgen für den Standort
Frankfurt/Main (taz) – Das AKW Mülheim-Kärlich wird „mit hoher Wahrscheinlichkeit abgerissen“, so RWE-Vorstandsmitglied Werner Hlubek gestern verbittert. Damit reagierte er umgehend auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin, das den Revisionsantrag der Atomstromer aus Essen verworfen hatte. RWE hatte auf die sofortige Inbetriebnahme der Anlage abgezielt.
Eine alternative Nutzung der Anlage, etwa als Gaswerk oder – wie die Brüterruine Kalkar – als Freizeitpark, sei nicht vorstellbar. „Wir müssen das AKW bedauerlicherweise aufgeben“, sagte Hlubek im ZDF. Auch der Direktor des AKW Mülheim-Kärlich, Lothar Dieterich, bestätigte gestern, daß es „Überlegungen“ der RWE Energie AG gebe, das AKW „stillzulegen oder abzureißen“. Entscheiden könnten das allerdings nur Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens. Bei den 400 MitarbeiterInnen im AKW sei die Stimmung am Tiefpunkt angelangt, berichtete Betriebsrat Josef Völkel: „Viele haben in den Büros gesessen und geweint.“
Hilfestellung beim Abriß des AKW hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) RWE schon am Mittwoch nach der Verwaltungsgerichtsentscheidung angeboten. Entsorgt werden müßten zunächst 205 Brennelemente aus Uran, bevor an den Abriß der kontaminierten Anlage gedacht werden kann. Das AKW war insgesamt knapp ein Jahr lang am Netz. AKW-Direktor Völkel schätzt die Abrißzeit auf fünf Jahre. Kosten: etwa 800 Millionen bis knapp über eine Milliarde DM.
Umweltministerin Merkel äußerte gestern ihre Befürchtung, das „Aus“ für das AKW werde negative Folgen für Energiewirtschaft und Standort Deutschland haben. Und das Deutsche Atomforum sprach von einer „volkswirtschaftlich widersinnigen Kapitalvernichtung“, für die die rheinland-pfälzische Genehmigungsbehörde verantwortlich sei. Klaus-Peter Klingelschmitt
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