Das Portrait: Das war einfach nicht mehr sexy
■ Michael Hutchence
INXS-Sänger Michael Hutchence hat sich umgebracht Foto: Reuters
„Suicide Blonde“ – INXS macht Schluß. Vielleicht ist das einfach so, wenn einen das Leben ziemlich lange doch dabehält, so wie Hutchence, der eigentlich darauf gepolt war, ein Jim Morrison zu werden – für die 80er. Schlecht nur, daß das in den 90ern nicht mehr geht.
Michael Hutchence also, das Gesicht, die Stimme, der Mann von INXS wurde am Samstag in einem Hotelzimmer seiner Geburtsstadt Sydney gefunden: im Alter von 37 Jahren hat er sich mit einem Gürtel erhängt. Dabei war doch gerade alles so super gelaufen: Am Dienstag sollte die Band, seine Band, den Tourneestart für 20 Jahre INXS geben. Vor kurzem hat seine Freundin Paula Yates eine Tochter von ihm zur Welt gebracht. He, Michael, es schien doch alles so verdammt perfekt.
Natürlich ist er älter geworden, und natürlich hat sich das angesammelte Gift nicht einfach wegdenken lassen, natürlich wollten und wollen die 90er keinen Synthy-Teenie-Bop-Sound mit – auch das noch – Rock-Allüren. Das war schon hübsch, die kicksige Stimme, das Fast Drüberschnappen und dann doch immer wieder auf die solide Rocknummer Runterkommen. Hutchence hat sich in die Reihe der Rock-Könige eingereiht und vielleicht zu spät gemerkt, daß diese, von Bowie bis Jagger, eine Ahnengalerie ist.
INXS hatten ihren fettesten Erfolg mit „Kick“, das sich 1987 über fünf Millionen Mal verkaufte. Das war ihr achtes Album, danach folgten „X“ oder „Live Baby Live“, die nie wieder wirklich auch nur einen Funken der poppigen Größe der alten INXS hatten. So, wie die sechs damals vor 80.000 Leuten im Wembley-Stadium spielten. Daß das mit dem geplanten Abfeier-Revival auch nicht funktioniert hätte, war wohl auch ihm klar.
Aber he, Michael Hutchence war – außer auf seiner Solo Platte „Max Q“ von 1989 – die letzte Zeit auch ohne seine Band erfolgreich. Hat Titel auf Soundtracks wie „Barb Wire“ und „Batman“ verewigt. Vielleicht hat er einfach begriffen, daß dieses Leben der schnellen Drogen und schönen Models wirklich nur den kleinen Zirkel ähnlich Verwesender interessiert. Ob er mit Top-Model Helena Christensen seinen Egotrip feiert oder Sarah Ferguson abblitzen läßt — das ist einfach nicht mehr sexy, schon gar nicht, wenn ein 37 alter Mann und vierfacher Vater das lebt. Zu viele „Devils Inside“, Michael. Annette Weber
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen