piwik no script img

■ Das PortraitChristian Ude

Vor etwa einem Jahr kam Münchens Zweiter Bürgermeister Christian Ude mit einem Buch heraus, das er kokett „Meine verfrühten Memoiren“ nannte. Launig berichtet der frühere Journalist darin über seine Erlebnisse in der SPD und im Rathaus. Wie die meisten Dinge, die der schnurrbärtige Schwabinger anpackt, war dieses Buch mitsamt seinem augenzwinkernden Titel ein gut geplanter Schritt auf dem langen Weg zum Sessel des Münchner Oberbürgermeisters. Daß Christian Ude OB werden will, wissen alle Münchner, die ihn kennen (vorgestern waren das 67 Prozent) seit langen Jahren. Er selbst weiß es vermutlich schon, seit er vor über 25 Jahren im Alten Realgymnasium zu Schwabing Schulsprecher war. Nach dem Rücktritt seines Mentors Georg Kronawitter trennt ihn nun von seinem Ziel nur noch ein kurzer heißer Wahlkampf mit CSU-Gauweiler.

Udes Vita dürfte in seiner Gradlinigkeit in Richtung auf ein ganz bestimmtes Amt hin Seltenheitswert in der deutschen Politik haben. Das mag ihm bei manchen den Ruf eines Karrieristen eingetragen haben, hat ihn andererseits aber zu einem mit allen Wassern gewaschenen Kommunalpolitiker gemacht. Seine Münchens kommender OB?Foto: argum

Lehrjahre in verschiedenen Bereichen der Stadtpolitik kommen ihm jetzt zugute. Daß er nach dem Abitur mehrere Jahre als Lokalreporter bei der Süddeutschen Zeitung arbeitete, garantiert ihm eine relativ freundliche Presse in den Münchner Medien. Sein Ansehen als langjähriger „Mieteranwalt“ gegen die in München besonders frechen Hausbesitzer wird ihm bei vielen der „kleinen Leute“ helfen. In der Münchner SPD gilt er als der Mann, der die Partei nach den verbissenen internen Querelen zwischen Linken und Rechten in den 70er Jahren wieder zusammengeflickt hat. Selbst die Münchner Kunst-, Boheme- und Intellektuellenszene, ansonsten keineswegs vom SPD-Stallgeruch angekränkelt, vermag in Ude einen der ihren zu erkennen. Als „Kulturbürgermeister“ bedient er sie seit drei Jahren mit geistreichen Reden, wo er nur kann. Ude ist stolz darauf, daß er in seinen 45 Jahren trotz mehrerer Umzüge noch nie seinen Schwabinger Metzger wechseln mußte und versichert glaubhaft, daß er es auch weiterhin nicht vorhat. Mehr als OB will er nicht werden. Weniger allerdings auch nicht. Thomas Pampuch

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen