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Das Gefühl der Sauberkeit

Wie die werdende Mutter mit stärkerem Schwangerschafts-Ausfluss umgehen soll

Mit den atmungsaktiven Alldays Slipeinlagen kann ich mich einfach frisch und gut fühlen!

Schwangere können sich darauf gefasst machen, in ihrer gynäkologischen Praxis ein rosafarbenes Pappköfferchen mit der Aufschrift „bald ... Wichtige Informationen für werdende Mütter“ ausgehändigt zu bekommen. Die Arzthelferinnen wissen meist auch nicht so genau, was in dem Karton mit Plastiklasche eigentlich drin ist, wollen es aber unbedingt an die Frau bringen. Und die sollte das Präsent auch annehmen. Alleine um der Arzthelferin einen Gefallen zu tun, von der sie freundlich und zuvorkommend behandelt werden möchte.

Schon im Wartezimmer fallen Slipeinlagen mit „geruchsbindendem Kern“ und atmungsaktiver „EASY-TEX Struktur“ aus der Pappschachtel. Der beiliegende Brief an die „Liebe werdende Mutter“ verspricht auch während der Schwangerschaft „das komplette Gefühl der Sauberkeit“. Auf einer Zeichnung fasst sich eine hochschwangere Frau unter den Bauch und fragt besorgt: „Ich weiß, dass stärkerer natürlicher Ausfluss während der Schwangerschaft normal ist, aber wie kann ich damit am besten umgehen?“ Ein Mannequin im Minikleid eilt herbei: „Die atmungsaktiven Alldays Slipeinlagen können helfen!“ Und tatsächlich: Schon im aufklappbaren Mittelteil der Broschüre hat auch die Schwangere die Lektion gelernt: „Mit den atmungsaktiven Alldays Slipeinlagen kann ich mich einfach frisch und gut fühlen!“

Während Alldays also nicht nur im Fernsehen, sondern auch in Arztpraxen verbreiten darf, dass Frauen, die sich lediglich regelmäßig waschen, „untenrum“ wie fauliger Fisch röchen, meint die Firma „Anita. Innovations for the Body“, dass werdende Mütter wie aufgequollener Hefeteig aussähen und für den Rest ihres Lebens vollkommen ausgeleiert seien, wenn sie nicht nach einem „richtigen Figurfahrplan“ lebten. Wie so ein „Fahrplan“ zum Erhalt der Traumfigur aussieht, verschweigt der Wäschehersteller der interessierten Frauenwelt leider – wahrscheinlich strengste Vermeidung „versteckter Fette“, also jedes Käse- oder Wurstbrots, einseitige Ernährung mit biologisch-abbbaubaren Gemüsesäften sowie Bauch-weg-Gymnastik vor und nach jeder Mahlzeit.

Sicher ist nur eins: ohne den Kauf von „AnitaMaternity Schwangerschafts-BHs“ und „AnitaMaternityBabyBelts“ ist da nichts zu machen. Nach der Geburt braucht die Frau dann „AnitaMaternity ReBelt Pantys“. Wie in fast jeder Broschüre des Köfferchens gibt es auch hier ein Preisausschreiben, und zwar eins von der anspruchsvollen Sorte. Denn die Angabe des Geburtstermins, den die Firmen benötigen, um die Schwangere termingerecht mit weiterführenden Informationen bedenken zu können, genügt „Anita“ nicht. Sie examiniert die Leserinnen zudem mit „Fachfragen“ zu ihren Produkten und möchte exakte Körbchengrößen wissen. Als dritten Preis gibt es einen Bikini oder Badeanzug aus der „BeachSecretKollektion“ zu gewinnen, in dem die Schwangere auch im achten Monat wie eine niedliche Zwölfjährige im Hängerkleidchen aussieht.

Betrachtet man die zahlreichen Fotos mit zarten, schutzbedürftigen und ehrfurchtsvoll zu ihren Männern aufblickenden Weibchen, muss man zu dem Schluss kommen, dass es in der Welt der Schwangeren und Babys kaum erwachsene Frauen gibt, sieht man von alten Schachteln mit marodem Genpool ab, vornehm „Spätgebärende“ genannt. Deshalb bevorzugen Babyausstatter und Verlage auch den an die Grundschulzeit erinnernden Fibelstil: In den Büchern und Heften darf und soll geschrieben und gemalt werden. Dort das selbst eingeklebte Ultraschallfoto, hier ein Poesiealbumspruch und ringsum Blümchengirlanden – so schön und wildromantisch kann Schwangerschaft sein. BERIT SÖRENSEN

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