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DNA-Spuren einer Renaissance-IkoneDa Vinci Code geknackt?

Ein Forscherteam hat auf einer Zeichnung Leonardo da Vincis DNA-Spuren entdeckt, die ihm zugeschrieben werden. Lässt sich damit auch sein Genie erklären?

Waren es die Gene, die Leonardo da Vinci zum Genie machten? Foto: dpa

Kann Genie angeboren sein? In der Renaissance verstand man das zumindest so. Galt das Genie doch im 15. Jahrhundert als außergewöhnliche Geisteskraft, der Intellekt eines Menschen mit einer natürlichen Begabung, jemand, der weit über dem Durchschnitt der Intelligenz steht. Nun hat ein internationales Forschungsteam womöglich Spuren der DNA Leonardo da Vincis entdeckt, auf einer Kreidezeichnung, die dem vor allem in Florenz und Mailand wirkenden italienischen Künstler (1452-1519) zugeschrieben wird.

Und zwar handelt es sich um eine Sequenz aus dem Y-Chromosom, das über die väterliche Linie weitergegeben wird. Besondere Bedeutung könnte dieser Fund auch darin haben, wie in Zukunft Kunst generell authentifiziert wird.

Zum Beispiel, wenn es um umstrittene Werke geht. Es steht aber auch die Frage des Genies im Raum und ob nicht doch biologische Merkmale dafür verantwortlich sein könnten. Immerhin sagt das internationale Forschungsteam selbst, dass es hofft, herauszufinden, was den „intelligentesten Menschen der Geschichte“ so einzigartig gemacht hat. Ein Beispiel: Da Vincis Fähigkeit, kleinste Veränderungen der Lichtverhältnisse wahrzunehmen und einzufangen, könnte ja vielleicht an einer besonders ausgeprägten Sehfunktion liegen.

Viele andere Forschende wehren sich aber gegen die Annahme, bestimmte Fähigkeiten auf Gene zurückzuführen. Bei Leonardo da Vinci seien es auch günstige kulturelle und soziale Umstände gewesen, die seine besonderen Talente gefördert haben. Aus diesem Grund gibt es auch kaum weibliche Genies, kaum Künstlerinnen, die die Möglichkeit hatten, ihre Begabungen sichtbar zu machen. Genie lebt von Umständen, nicht von Chromosomen.

Stark fragmentiert

Und ob es sich bei der DNA überhaupt um die von da Vinci handelt, kann man laut dem Forschungsteam noch nicht sagen. Die Sequenz sei stark fragmentiert und könnte dadurch auch von anderen Personen stammen, die die Zeichnung über die Jahrhunderte hinweg berührt haben.

Außerdem fehlt ein genetischer Referenzpunkt, der bei da Vinci schwer zu finden ist: Direkte Nachkommen hatte er keine, und an seiner Grabstätte im französischen Amboise wurde er mehrfach umgebettet. Bis zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, ob es sich tatsächlich um da Vincis DNA handelt, wird noch eine Weile in Anspruch nehmen. Und selbst wenn, lässt sich aus einem einzelnen Y-Chromosom kaum ein ganzes Genie nachweisen.

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