: DHL wird erpresst
Unbekannte fordern Millionen vom Paketdienst – und verschicken Sendungen mit Sprengsätzen
Unbekannte erpressen den Paketdienst DHL mit einer Forderung in Millionenhöhe. Das gab am Sonntagnachmittag Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) auf einer Pressekonferenz bekannt. Ein am Freitag bei einem Potsdamer Apotheker gefundenes, verdächtiges Paket stehe in diesem Zusammenhang. Eine ähnliche Lieferung sei zudem vor einigen Wochen bei einem Onlinehändler in Frankfurt/Oder aufgetaucht.
Das Potsdamer Paket enthielt laut Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke einen Polenböller, Drähte, Batterien, Pulver und Hunderte Nägel. Entgegen erster Annahmen sei der Sprengsatz wohl doch zündfähig gewesen. Ermittler hätten zudem auch einen Zettel mit einem QR-Code rekonstruiert, mit dem im Internet die Erpresserbotschaft entschlüsselt werden konnte, so Mörke.
Ein Lieferdienst hatte am Freitag das Paket in der Potsdamer Apotheke abgegeben. Ein Mitarbeiter entdeckte Drähte an der Sendung und vernahm ein Zischen. Darauf wurde die Polizei alarmiert. Spezialisten der Bundespolizei öffneten das Paket dann mit einem Wasserstrahl. Das Paket wurde laut Polizei am vergangenen Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr an einer DHL-Packstation im Potsdamer Westen abgegeben.
Nur durch Zufall sei eine Explosion verhindert worden, sagte Schröter. Der oder die Täter nähmen offensichtlich schwerste Verletzungen bis hin zur Tötung in Kauf. Nach derzeitigem Ermittlungsstand scheinen sie aus der Region zu kommen. Weitere manipulierte Paketsendungen seien wahrscheinlich. Mörke rief die Bevölkerung zu Vorsicht bei verdächtigen Zusendungen auf. Zu achten sei auf unbekannte Absender, Rechtschreibfehler oder aus dem Paket ragende Drähte.
Die Polizei stellte für die Fahndung eine 25-köpfige Ermittlergruppe „Luise“ zusammen – benannt nach der Potsdamer Apotheke. Diese steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit DHL. Ermittelt wird wegen versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und versuchter schwerer räuberischer Erpressung.
Zunächst erschien auch ein Terrorverdacht möglich, da die Potsdamer Apotheke direkt neben dem Weihnachtsmarkt der Stadt liegt. Der Markt wurde am Freitag abgeriegelt. Einen Zusammenhang könne man aber inzwischen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, sagte Mörke. (dpa, taz)
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