DER MAZEDONIEN-KONFLIKT DROHT ERNEUT ZU ESKALIEREN: Zwischenfall mit Folgen
Sieben Tote im albanisch besiedelten Teil Mazedoniens – das muss zu denken geben. Denn derartige „Zwischenfälle“ sind auf dem Balkan selten Zufälle. Mit dem Vorwurf, bei den Getöteten handele es sich um „islamische Terroristen“, hat der mazedonische Innenminister Boskovski zudem eine Spur gelegt, die nichts Gutes verheißt. Bereits im Vorjahr hatte derselbe Minister versucht, die mazedonisch-albanische Guerilla UÇK mit dieser Bezeichnung zu belegen – ein nur zu durchsichtiger Versuch, die internationale Anti-Terror-Front für innenpolitische Zwecke zu funktionalisieren.
Dazu passt, dass Innenminister Boskovski und seine politische Freunde auch die Umsetzung des Abkommens von Ohrid blockieren. Wenn aber die dort vereinbarte Gleichberechtigung der albanischen Bürger Mazedoniens nicht in die Praxis umgesetzt wird, dann wird es auf der albanischen Seite bald unruhig werden. Indem sich die albanischen Parteien vor wenigen Tagen zu einer gemeinsamen Plattform zusammengefunden haben, wurde ein doppeldeutiges Signal geschickt. Einerseits zeigen die Albaner, dass sie einig sind und zu dem Abkommen stehen; andererseits machen sie auch klar, dass sie wenn nötig auch bereit sind, sich gemeinsam zu wehren. Die aufgelöste UÇK jedenfalls könnte jederzeit reaktiviert werden.
Ebenfalls eskalierend wirkt ein Beschluss der UN-Zentrale in New York, demzufolge das benachbarte Kosovo einige hundert Hektar Land an Mazedonien abtreten soll. Die albanische Volksseele beiderseits der Grenze kocht. Der Streit um das Abkommen war einer der Gründe für den Krieg in Mazedonien exakt vor einem Jahr. Zwar wiegeln die internationalen Diplomaten und die OSZE-Mission nach außen hin ab. So soll der Eindruck erzeugt werden, man habe zusammen mit den unter deutscher Führung stehenden internationalen Truppen die Lage im Griff. Doch dass dieser Eindruck trügt, hat sich schon im Vorjahr gezeigt. Ein paar weitere Zwischenfälle könnten leicht eine neue, unkontrollierbare Dynamik auslösen. Dann steht Deutschland, die „leading nation“ in Mazedonien, in der Verantwortung. ERICH RATHFELDER
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