DAAD-Experte zu Erasmus während Corona: „Aussetzen oder verschieben“

Was wird aus mir und dem Erasmus-Stipendium? Muss ich jetzt nach Hause und wer bezahlt das alles? Antworten auf Fragen von im Ausland Studierenden.

Ein Hochschullehrer hält eine Vorlesung vor einem leeren Saal.

Vorlesungen lieber als Stream, wie hier in den Rechtswissenschaften an der Hochschule in Zürich Foto: Jean-Christophe Bott/Keystone/dpa

taz: Herr Geifes, wegen der Corona-Pandemie schließen in ganz Europa Universitäten, es werden Präsenzveranstaltungen abgesagt oder der Semesterbeginn verschoben. Was bedeutet das für deutsche Studierende im Erasmus-Austausch?

Stephan Geifes: Für die Studierenden ist das eine schwierige Situation. Die Europäische Kommission hat sehr frühzeitig gesagt, dass man den Aufenthalt abbrechen kann, und dass die Kosten für eine Rückreise im Rahmen der „force majeure“-Regelung unter bestimmten Bedingungen erstattet werden können. Die Kosten, die für den Rückflug, weitere Mietzahlung oder dergleichen entstehen, können bis zur Höhe des ursprünglich zugesagten Stipendiums an der Heimathochschule abgerechnet werden. Die Europäische Kommission hat zudem vor zwei Tagen weitere Details kommuniziert: Wenn man Onlinekurse der Gasthochschule belegt, die dazu beitragen, das ursprüngliche „learning agreement“ zu erfüllen, kann das Stipendium weitergezahlt werden – unabhängig davon ob man im Gastland bleibt oder nach Hause fährt.

Was empfehlen Sie Studierenden, die sich im Ausland aufhalten? Abbrechen oder bleiben?

Wir empfehlen Studierenden zunächst einmal, derzeit nicht ins Ausland zu reisen. Es gibt eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Die Europäische Union ist groß, die Situation in den Ländern ist unterschiedlich. Denjenigen, die sich in ausgewiesenen Risikogebieten des Robert Koch-Instituts befinden, empfehlen wir, nach Deutschland zurückzukehren. Die anderen müssen das selbst entscheiden.

Wird es die Möglichkeit geben, den Auslandsaufenthalt erneut anzutreten?

51, ist Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD und promovierter Historiker.

Erasmus-Studierende haben die Möglichkeit, in jedem Studienabschnitt, also während der Bachelor-, der Master- und der Promotionsphase, bis zu zwölf Monate ins Ausland zu gehen. In diesem Umfang ist dann auch ein Neuantritt möglich. Konkret: Sie wollten für vier Monate nach Italien, müssen das jetzt nach einem Monat abbrechen, dann können Sie sich während dieses Studienabschnitts erneut für bis zu elf Monate bewerben. Es zählt die Zeit, die bereits gefördert wurde.

Was geschieht mit geplanten Auslandsaufenthalten in diesem Sommersemester und dem kommenden Wintersemester?

Man kann derzeit keine gesicherten Prognosen abgeben. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Fest steht: Je näher der Antritt eines Auslandssemesters ist, desto schwieriger wird es.

Was empfehlen Sie internationalen Stipendiat*innen, die sich derzeit in Deutschland aufhalten?

Wir empfehlen engen Kontakt zu ihrer Gast- und Heimathochschule zu halten und sich darüber zu informieren, welche Studieninhalte sie im Moment digital belegen können. Was wir sowohl den ausländischen Studierenden in Deutschland, als auch den deutschen Studierenden im Ausland ausdrücklich nahe legen, ist, sich an die lokalen Vorgaben zur Nichtverbreitung des Virus zu halten. Allen ausländischen DAAD Stipendiatinnen und Stipendiaten haben wir angeboten, ihr Stipendium auszusetzen oder zu verschieben. Stipendiaten, die aufgrund der aktuellen Krisensituation nicht in ihr Heimatland zurückkehren können, werden bis auf weiteres weitergefördert.

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