Corona-Quarantäne in Armenien: Der goldene Käfig

Die Einschränkungen durch Infektionsvorbeugung können lästig sein. Für einige Verdachtsfälle ist die Quarantäne aber durchaus okay.

Ein Cocktail steht auf einem Tisch

Quarantäne? Nur mit Cocktailbar! Foto: Jakub Dziubak/Unsplash

BERLIN taz | Wer unter Corona-Verdacht steht, landet schnell in Quarantäne. Abhängig von den konkreten Umständen kann das ein eher eintöniger Hausarrest sein, bei schwereren Fällen Hospitalisierung. Ein paar Dutzend österreichischer Urlauber*innen machen gerade Schlagzeilen, weil ihre Quarantäne im Urlaubsparadies der Malediven in einem hochwertigen Resort reichlich entspannt wirkt.

Dasselbe kann Reisenden aber auch in Armenien geschehen, denn die südkaukasische Republik bietet ebenfalls eine Art Luxusunterbringung für Verdachtsfälle an: Ein Fünfsternehotel, mit Casino, Cocktailbars, verschiedenen Pools und Wellnessbereichen und einem direkten Zugang zu Skipisten. 32 Menschen sind derzeit im „Golden Palace Hotel“ auf einem Hügel mitten im Wald isoliert. Tsachkadzor, etwa 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Jerewan, ist das Wintertourismus-Zentrum des Landes. Mit einer Seilbahn auf die umliegenden Berge und Hügel ist die kleine Stadt ein perfekter Ort für Skisport und Snowboard.

In Armenien hat sich offiziell bis heute nur eine Person mit dem Coronavirus infiziert. Er war aus dem Nachbarland Iran nach Armenien geflogen. 32 Passagiere, die in der Nähe des infizierten 29-Jährigen im Flugzeug saßen, wurden nun für zwei Wochen in das Luxushotel verbracht. Dafür muss nicht einmal ein Tourismusbetrieb entschädigt werden, denn das Hotel ist in Staatsbesitz.

Seit der „samtenen Revolution“ im Frühjahr 2018 will Premierminister Nikol Paschinjan die Korruption und die oligarchischen Clans bekämpfen. Seitdem wurden unter anderem viele Oligarchen festgenommen. Auch Ex-Präsident Sersch Sargsjan und einige seiner Familienangehörigen werden strafrechtlich verfolgt. Millionen Dollar flossen durch die Bekämpfung von Korruption und Schattenwirtschaft in den vergangenen Jahren in die Staatskasse.

Dazu gehören auch Vermögenswerte wie das Golden Palace Hotel. Bis vor einem Jahr war der Besitzer Armen Avetisjan, der von 2001 bis 2008 Chef der staatlichen Zollbehörde war. Noch immer gehören ihm zwei Fünfsternekomplexe der Hotelkette „Golden Palace“ in der Haupstat Jerewan.

Das Hotel in Tsachkadzor hatte Avetisjan bei einer Offshore-Firma registriert. Als die Ermittlungen gegen ihn wegen Geldwäsche und unrechtmäßigen erworbenen Besitzes eingeleitet wurden, schenkte er den Komplex im Wert von etwa 6 Millionen US-Dollar dem Staat.

Die geplante Auktion, bei der das Hotel gerade erst zugunsten der Staatskasse versilbert werden sollte, wurde nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Und so hat Armenien dank des Coronavirus einen goldenen Käfig für seine Quarantänefälle.

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