Comeback von Sacha Baron Cohen

Für ihn ziehen Politiker blank

Der Comedian Sacha Baron Cohen knöpft sich in „Who Is America?“ die US-amerikanische Politik vor. Und entlarvt den Rassismus eines Republikaners.

Sacha Baron Cohen

Ein Meister der Verwandlung: Sacha Baron Cohen ist zurück, in alter Manier und neuer Verkleidung Foto: ap

BERLIN taz | Zehn Jahre nach seinen Auftritten als „Borat“, ist er nun zurück: der britische Comedian Sacha Baron Cohen. „Who is America?“ heisst seine neue Show, in der er erneut in verschiedene Rollen schlüpft und sich US-amerikanische Politiker vorknöpft, um sie vorzuführen. Viele Medien rezensierten die Sendung wenig begeistert – und doch sorgte sie nun für den Rücktritt eines republikanischen Abgeordneten.

Jason Spencer aus Georgia entblößte seinen Hintern, schrie das N-Wort und machte sich auch darüber hinaus zum Affen – im Glauben, sich mitten in einem Anti-Terror-Training zu befinden. Eine Falle, in die ihn Cohen gelockt hatte, verkleidet als israelischer Terror-Experte „Erran Morad“. Die Silikonmaske, die er trägt, um sich in diesen Mann zu verwandeln, sieht so unnatürlich aus, dass man sich kaum vorstellen kann, dass irgendjemand darauf hereinfällt.

Und doch funktioniert es: Spencer, der sich zuvor in öffentlichen Debatten für ein Burka-Verbot eingesetzt hatte, lässt sich für die Sendung sogar überzeugen, einer Frau mit einem Selfie-Stick unter die Burka zu filmen. Es ist ein Spektakel zum Fremdschämen – eines, für das sich Spencer schnell entschuldigte, sich getäuscht sah. Doch zu spät: Parteifreunde forderten Spencer zum Rücktritt auf – und er gab nach.

Derlei Entlarvung zu provozieren, indem er sich in zahllose Kunstfiguren verwandelte, hat Cohen zu seiner Spezialität gemacht. Anfangs trat er als Wannabe-Gangsterrapper Ali G. Auf, berühmt wurde er später mit der Kunstfigur des kasachischen Journalisten „Borat“ und seiner Filmrolle als homosexueller österreichischer „Brüno“.

Cohens Masche mag nicht jedermanns Sache sein, und seine Filme vielen zu unbequem – doch auch in der neuen Show funktioniert die Entlarvung nach wie vor: Wer dachte, dass ihn nach Trumps Tiraden nichts mehr wundern würde, hat sich getäuscht. Doch gerade das kritisieren viele Medien. In Zeiten von Trumps Präsidentschaft würde der „Borat“-Humor nicht mehr funktionieren. Die Lage sei „zu ernst, zu brisant und zu furchterregend. Wo war Cohen als wir ihn brauchten?“, schreibt der Spiegel. Aber ist Satire nicht gerade das: genau zu zeigen, wie brisant und furchterregend die Dinge sind? Satire ist unbequem, genau wie Cohen selbst. Er versteht sein Handwerk, Leuten auf die Füße zu treten und für Unbehagen zu sorgen.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de