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■ Das PortraitCheryl Carolus

Die 37jährige Cheryl Carolus, die während des jüngsten Parteitags des „African National Congress“ (ANC) als erste Frau in der 80jährigen Geschichte der Organisation in ein Spitzenamt gewählt wurde, stellt unter den Führungskadern der Organisaion eine Ausnahme dar. Warum sie denn nicht, wie die komplette Führung des ANC, fürs Parlament kandidiert habe, wollte jemand wissen, nachdem sie auf dem Parteitag in der Stadt Bloemfontein zur stellvertretenden Generalsekretärin gewählt worden war. „Ich glaube, ich eigne mich nicht zur Karrierepolitikerin“, kam ihre Antwort wie aus der Pistole geschossen.

Mehr noch: Die aus den Cape Flats, den Farbigensiedlungen in der Umgebung von Kapstadt, stammende Lehrerin entpuppte sich seit den ersten demokratischen Wahlen im April als eine Art Gewissen ihrer Organisation. Während die frischgebackenen Parlamentarier sich mit Diäten und Privilegien bedienten, wo es nur ging, besorgte die schlanke Frau sich Daten. Sie verglich die Durchschnittseinkommen mit den Parlamentarierbezügen in Deutschland und anderen europäischen Ländern und zog die Konsequenzen.

Die Diäten in Südafrika seien überzogen hoch, die Abgeordneten sollten Kürzungen hinnehmen, verlangte die energische Politikerin im Parteivorstand. Die Initiative gelangte nicht weit. Die ANC-Oberen blockten sie ab und intrigierten gegen sie. In der Parlamentsfraktion wurde alles unternommen, um ihre Wahl auf den neugeschaffenen Posten der stellvertretenden Generalsekretärin zu verhindern.

Die erste Frau, die im ANC in eine führende Position gewählt wurde Foto: Reuter

Aber Cheryl Carolus hatte Glaubwürdigkeit bei denen gewonnen, die die Mehrheit der Delegierten bestimmten: bei der Basis. So verdankt die Politikerin, die bis 1991 der Kommunistischen Partei angehörte und sich seitdem nur auf die Arbeit im ANC konzentriert, ihre Wahl zu einem großen Teil der Unzufriedenheit der ANC-Basis mit der Führung. Seit 1991 war sie Mitglied des „Komitees der nationalen Arbeit“ des ANC und für die Bereiche Gesundheit und Bildung tätig.

Auch Nelson Mandela wird mit der Wahl zufrieden sein. Vor drei Jahren, beim Parteitag in Kapstadt, hatte er ihr in aller Öffentlichkeit eine große Zukunft vorausgesagt. Und schließlich ist die mit einem weißen Universitätsdozenten verheiratete Lehrerin eine „Coloured“ vom Kap – und deren öffentliche Präsenz wollte der ANC-Führer ohnehin verstärken. Willi Germund

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