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Chef der Hamburger Olympia-BewerbungBloß nicht zu euphorisch

An das Sommermärchen anknüpfen: Steffen Rülke soll dafür sorgen, dass Hamburgs Olympia-Bewerbung nicht schon im Mai an einem Referendum scheitert.

Soll für Euphorie sorgen: Steffen Rülke, Chef der Hamburger Olympia-Projektgruppe Foto: Markus Scholz/dpa

Steffen Rülke weicht aus, wenn er nach seinem Eindruck gefragt wird, ob eigentlich schon eine Olympia-Euphorie in Hamburg entfacht ist. Darauf antworte er gern mit einem Hinweis: Wer Interesse daran habe, ehrenamtlich mit ihm und seinem Team an einer erfolgreichen Bewerbung Hamburgs mitzuarbeiten, der solle sich gern melden.

Vielleicht ist es auch zu viel verlangt, rund vier Monate vor dem Hamburger Referendum zu einer neuerlichen Olympia-Bewerbung von Rülke eine Einschätzung zur Stimmung in Hamburg zu erwarten. Er ist schließlich parteiisch, ist verantwortlich dafür, dass die Euphorie-Seite bei der Abstimmung gewinnen soll: Als Leiter der städtischen Projektgruppe tingelt er seit dem vergangenen Herbst durch die Stadt, von einem Beteiligungsformat zum nächsten, um für ein Ja beim Referendum zu werben.

Mit 18 Millionen Euro haben SPD und Grüne Rülkes 20-köpfiges Projektteam ausgestattet, das es besser machen soll als vor einem Jahrzehnt: 2015 träumte die auch damals schon regierende Koalition von Olympia, ehe die Skep­ti­ke­r:in­nen mit einem Sieg beim Referendum die Pläne – vorerst, wie sich nun zeigt – beendeten.

Es ist ein Spannungsfeld, in dem sich Rülke wie die gesamte Hamburger Olympia-Bewerbung befindet: Einerseits braucht es eine Olympia-Euphorie in der Stadt, um beim Referendum am 31. Mai eine Mehrheit zu bekommen. Die versuchte Rülke am Dienstag etwa zu entfachen, als er bei der Vorstellung der Ergebnisse des nun abgeschlossenen Beteiligungsprozesses davon sprach, mit Olympia in Hamburg „an das Sommermärchen 2006 anknüpfen“ zu wollen.

Gegen den erneuten Zweifel

Andererseits, das scheint Rülke gut zu wissen, darf er nicht allzu euphorisch werben – etwas seriöse Nüchternheit ist wichtig für die städtischen Olympia-Befürworter:innen, um nicht einmal mehr von der Olympia-Idee derart berauscht zu sein, dass der Mehrheit der wahlberechtigten Ham­bur­ge­r:in­nen Zweifel kommen.

Dem gebürtigen Hamburger Rülke, der zuvor in Berlin erst als Büroleiter des damaligen Kanzleramtschefs Wolfgang Schmidt (SPD) und später als Abteilungsleiter Sport im Bundesinnenministerium tätig war, gelingt das nicht immer.

Als Chef-Euphorisierer erklärte er bei einer Info-Veranstaltung im November auf die Publikumsfrage zu den Klimakosten von Großveranstaltungen wie Olympia, dass Hamburg die Spiele nicht nur klimaneutral durchführen wolle – sondern sogar klimapositiv! Eine weiterführende Erläuterung gab er dazu nicht. Zum Vergleich: Olympia 2024 in Paris wurde für die vergleichsweise wenigen 1,59 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gefeiert.

In der in den kommenden Wochen startenden heißen Wahlkampfzeit dürften derartige leere Versprechen für viel Gegenwind sorgen: Rülkes Geg­ne­r:in­nen in der Nolympia-Initiative, haben nun auch die Arbeit aufgenommen, werben für ein Nein beim Referendum – und kritisieren schon den von Rülke geleiteten Beteiligungsprozess als „Werbevortrag des Olympiaverkäufers mit angekoppelter Kampagnenmarktforschung“.

Wie man zumindest mit Nebensächlichkeit nicht aneckt, scheint Rülke allerdings schon verstanden zu haben: In Sachen Fußball bekannte er sich bereits als HSV-Fan, der aber auch Sympathien für den FC St. Pauli hege.

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