: CSSR: Katholiken im Bürgerforum
Interview mit dem engagierten Katholiken Jan Carnogursky ■ I N T E R V I E W
Jan Carnogursky, Dr.jur., 46 Jahre, arbeitet als Rechtsanwalt in Bratislava. Er wurde im Sommer inhaftiert, als er der im August 1968 Erschossenen öffentlich gedenken wollte. Am Tag nach seiner Haftentlassung wurde er in die Verhandlungsdelegation des Bürgerforums berufen.
taz: Auf welcher Seite die Sympathien der katholischen Kirche im jetzigen Konflikt liegen, ist ziemlich eindeutig. Trotz allem ergreift sie nicht offen Partei.
Carnogursky: Die katholische Kirche will keine ausdrücklich politische Rolle in dieser Bewegung spielen. Daher ergreift sie nicht offiziell unter ihrem Namen Partei. Allerdings hat Erzbischof Sokol von Bratislava in seinen letzten Sonntagspredigten sich für die Initiative „Öffentlichkeit gegen Gewalt“ (das ist in der Slowakei die Organisation des Bürgerforums) stark gemacht. Zunächst ist das eine moralische Unterstützung, die natürlich eminent politische Bedeutung erlangt, sobald die Massen der Gläubigen aufgefordert werden, sich zu engagieren. Für die Gläubigen geht es um ungehinderte Ausübung ihrer Religion. Religionsfreiheit gehört ja auch zu einer der zentralen Forderungen des Bürgerforums.
Falls sich die politischen Verhältnisse im Sinne des Bürgerforums verändern sollten, welcher Gruppe oder Partei würde die katholische Kirche dann ihre Gunst schenken?
Bis jetzt zeigt sich diese Sammlungsbewegung politisch noch nicht sonderlich profiliert. Allerdings gibt es bereits Versuche. Ich beteilige mich daran, alle Kräfte mit einer christlich-demokratischen Orientierung zu sammeln. Sollte es zu Wahlen kommen, würde sie sich dann in eine Partei umwandeln. Dabei werden wir aber auch nicht durch die Institutionen der katholischen Kirche direkt unterstützt. Natürlich stärken sie uns moralisch bei diesem Vorhaben.
Christlich-demokratisch klingt für unsere Ohren erst einmal konservativ. Welcher gesellschaftspolitischen Orientierung wird diese Partei folgen?
Noch ist das zu wenig ausdiskutiert. Eins steht fest: wir waren jahrelang so isoliert, daß es falsch wäre, das Neue an westlichen Kriterien zu messen oder eine Orientierung an westlichen Vorbildern vorzunehmen. Aber sicherlich werden wir in verschiedenen Bereichen gemeinsame Überlegungen anstellen.
Das Interview führte Klaus-Helge Donath (Prag)
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