■ CD-ROM: Asiens Wüsten
So mancher Globetrotter versucht sich sein Reisegeld nachträglich mit mehr oder weniger aufwendigen Diavorträgen zu verdienen. Oft genug werden diese Veranstaltungen als Multimedia- Spektakel plakatiert, und so ist es nur ein kleiner Schritt, sein Reiseziel auch auf eine CD-ROM zu brennen.
Seit kurzem gibt es den Silberling „Abenteuer Seidenstraße – Mit Bruno Baumann durch Asiens Wüsten“. Nämlich entlang der sogenannten Seidenstraße, dem wohl ältesten transkontinentalen Handelsweg, der über Jahrhunderte China mit Indien und mit dem antiken Europa verband. Zentralasien wurde insgesamt zum bedeutendsten Handelsplatz. Jedenfalls solange niemand den Seeweg nach Indien entdeckte.
Heutzutage preist Baumann die Oasen entlang der Route: wahre Wunderwerke an Bewässerungstechnik und Gartenkultur, während der Blütezeit der Seidenstraße „Träger einzigartiger Kulturen“ und heutzutage für Trekkingtouren wärmstens empfohlen. Am Computer allerdings kommen die Schaulustigen nicht auf ihre Kosten, weil es neben Baumanns Diaschau auch einen Reiseführer gibt, der neben Tips zur Anreise auch Hoteladressen und vor allem den Reiseveranstalter in ihrer Nähe parat hat – das sagt einem auch jedes Reisebüro.
Interessant ist die Historie der Karawanenroute, sind die Geschichten und Legenden, die man sich gewiß schon in den Karawansereien erzählt haben wird. Und interessant sind auch die historischen Expeditionen, die teilweise in Originaltexten der europäischen Forschungsreisenden dokumentiert werden. Etwa die anschauliche Beschreibung des Schweden Sven Hedin, wie er 1894 beinahe wie seine Begleiter in der „Henkerswüste“ Takla Makan verdurstet wäre. Ähnlich vergilbte Berichte von archäologischen Raubzügen aus der Kolonialzeit gibt es von Aurel Stein und Albert von LeCoq.
Der Clou aber ist die Veröffentlichung von Fotos und sogar Filmschnipseln aus dem Nachlaß Dr. Emil Trinklers, dessen „Deutsche Zentralasien-Expedition“ in den Jahren 1927/28 auf Trekkingtour war und dessen sonstige Exponate im Übersee-Museum in Bremen zu sehen sind. Erstmals wird hier das Fotoalbum des Doktors gezeigt, in dem die Bilder versehen sind mit Anmerkungen à la „Dr. Trinkler im endlosen Sandmeer“, was schon damals auf geradezu niederschmetternde Weise Diaschau-kompatibel war. Und so ist denn auch die Zeittafel auf der CD-ROM absolut folgerichtig: Die Geschichte der Seidenstraße beginnt im Jahre 139 v. Chr. mit dem chinesischen Reisenden Zhang Qian und endet 1994 mit Bruno Baumann. Sönke Jahn
„Abenteuer Seidenstraße – Mit Bruno Baumann durch Asiens Wüsten“. CD-ROM für Windows und Macintosh. United Soft Media, München 1996, 79 DM
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