Bundestag geht offline: Kein Internet, keine Mails

Wegen einer Hacker-Attacke muss das Parlament sein Computersystem neu installieren lassen. Das dauert mindestens bis Montag.

Laptop auf der Zuschauertribüne des Bundestags

IT-Probleme im Bundestag: WLAN im Plenum, aber nicht in den Büros. Foto: dpa

BERLIN taz | Dirk Schröter darf ausschlafen: Seine Chefin hat ihm den Freitag freigegeben. „Ohne Internet läuft hier sowieso nicht viel“, sagt der Fachmann für Netzpolitik, der im Büro der linken Bundestagsabgeordneten Halina Wawzyniak arbeitet. „Wir können nichts recherchieren und keine E-Mails beantworten, also bleiben wir lieber gleich zu Hause.“

Nicht nur Schröters Computer bleibt am Freitag aus: Weil die Bundestagsverwaltung wegen Sicherheitsproblemen das IT-System neu installiert, sind alle Abgeordneten und Mitarbeiter so gut wie arbeitsunfähig.

In ihre PCs können sie sich vier Tage lang nicht einloggen, E-Mails können sie bis Montag nicht mal über externe Geräte abrufen und WLAN-Zugang gibt es in den Bundestagsbüros ohnehin nicht. Das Parlament ist lahmgelegt.

Schuld daran sind Hacker-Angriffe auf die Bundestags-IT, die im Mai bekannt wurden. Unbekannte hatten das Computernetzwerk des Parlaments mit Trojanern verseucht. Über die Schadsoftware konnten sie die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter ausspähen – mindestens seit Januar 2015, vielleicht sogar schon länger.

Täter unbekannt

Wer dahinter steckt, ist unklar. Spuren führen nach Russland, Beweise gibt es aber keine. Die Bundestagsverwaltung weiß nicht mal, welche Daten die Täter absaugten.

Immerhin scheint die Spähattacke inzwischen beendet zu sein. In einer E-Mail an die Abgeordneten schrieb Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) schon Anfang Juli, dass zuletzt „keine neuen Aktivitäten des Angreifers festgestellt wurden“. Trotzdem kündigte Lammert damals an, dass das IT-System während der parlamentarischen Sommerpause neu aufgesetzt wird.

Den eigentlich vorgesehen Termin in der vergangenen Woche verschob die Verwaltung noch wegen der Sondersitzung zu den Griechenland-Krediten. Dem zweiten Versuch (planmäßiger Start: Donnerstag, nach Feierabend) stand dagegen nichts mehr im Weg.

Läuft alles nach Plan, funktionieren die Computer im Laufe des Montags wieder. Falls nicht, hat zumindest das Büro Wawzyniak vorgesorgt: Für den Wochenbeginn hat sich Mitarbeiter Schröter ein paar Internetseiten auf Vorrat ausgedruckt.

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