piwik no script img

■ beiseiteBund – Berlin

Eine Meldung und eine Frage: Vor „Kulturruinen“ in Berlin hat Kultursenator Ulrich Roloff-Momin gewarnt, falls Bonn seiner Verantwortung für Kunst und Kultur in der deutschen Hauptstadt nicht nachkomme, erfahren wir von dpa. Mit dem totalen Rückzug des Bundes aus der Finanzierung der Berliner Kultureinrichtungen im Jahre 1995 würden bestehende Gesellschaftsverträge gebrochen. „Wenn der Deutsche Bundestag nicht in eine Stadt mit Kulturruinen umziehen will, muß er jetzt handeln und die Sicherung des kulturellen Erbes unseres Landes ermöglichen“, sagte Roloff-Momin bei der Eröffnung einer deutsch- tschechischen Kunstausstellung im Reichstag. Berlin habe in den letzten Jahren bewiesen, daß es bereit sei, kulturelle Kosten in einer Höhe zu übernehmen, die kein anderes Bundesland trage, betonte Roloff-Momin. Dabei sei eine der einschneidendsten Sparmaßnahmen die Schließung des Schiller Theaters gewesen. Die „Finanzierung einer jahrhundertealten Kulturlandschaft eines Flächenstaates durch eine Kommune“ sei jedoch auf Dauer nicht zu sichern, „wenn nicht der Bund den Einrichtungen Berlins von gesamtstaatlicher Bedeutung fördernd zur Seite steht, wie das in allen europäischen Kulturstädten auch der Fall ist“.

Hier fragen wir uns natürlich sofort, was das denn heißt, und erinnern uns an die Versicherung des Kultursenators, daß es weitere Theaterschließungen mit ihm nicht geben werde. Wenn er durch die tatsächlich haarsträubende Zurückhaltung des Bundes mittlerweile gemerkt hat, daß er dieses Versprechen zu früh und zu häufig und zu öffentlich gegeben hat, könnte er doch wenigstens das jetzt direkt sagen. Versucht da einer, sich den Rückzug hinter das eigene Wort zu sichern, kurz bevor der nächste Haushalt verabschiedet wird? Oder ist das eine gerechte Empörung, der ein demonstrativer Rücktritt folgen wird, wenn er sich zwingen lassen müßte, weitere Häuser zu schließen?

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen