: Bügeln in der City
■ Schulte und Fücks kuscheln um Autos
Das schlagende Argument für den Autoverkehr in der City war das Bügelbrett. „Die Leute wollen heute den Erlebniseinkauf“, deklamierte Kaufleute-Vertreter Herbert Korte von der City-Initiative. „Wenn sie etwas kaufen, wollen sie es auch gleich mit nach Hause nehmen. Wie aber soll man ein Bügelbrett in der Straßenbahn transportieren?“.
So gab es am Dienstag beim Verkehrsforum des Weser-Kurier in der Prüfhalle der Dekra mehr Anekdotisches als Überraschendes. Das erhoffte Duell zwischen dem neuen Bausenator Bernt Schulte (CDU) und dem Bau- und Stadtentwicklungssenator a.D. Ralf Fücks (Grüne) blieb aus. Abgesehen von einem Ausfall („Fücks hat in den vergangenen vier Jahren dazu beigetragen, daß die Innenstadt totgeredet wurde!“) gab sich der Neue betont moderat. Er versicherte mehrmals, auch unter der Ägide von Fücks sei in der Behörde nicht nur Unsinn produziert worden und stellte sich gegenüber den Auto-Hardlinern „schützend vor mein Ressort“.
Auf dem Podium war man von Wolfgang Becker (ADAC), Herbert Korte (City-Initiative), Herbert Felz (BSAG), Dekra-Verkehrsexperte Dieter Lentz bis zu dem neuen und dem ehemaligen Senator ganz auf Harmonie eingestellt, so daß auch Weser-Kurier-Moderator Volker Weise abschließend nur feststellen konnte: „Soviel Konsens war nie“.
Ralf Fücks versicherte: „Autos raus! – so war das nicht gemeint“. Und Korte zeigte die Einsicht, daß „die Attraktivität nicht nur am Auto hängt“. Alle waren sich einig, worum es eigentlich geht: Die Bremer Innenstadt muß anziehender werden. Selbst die Vorstellungen zur Erreichung dieses Ziels glichen sich von Autofahrerlobby bis zum Bausenator a.D.: Durchgangsverkehr raus aus der Stadt, den Berufspendlern muß das Auto verleidet und der ruhende Verkehr effektiver gelenkt und kontrolliert werden.
Nicht einmal bei dem von Fücks geforderten Rückbau der Martinistraße kam es zu einer wirklichen Kontroverse. Zwar insistierte Schulte darauf, die „Wirtschaftskraft der City“ müsse Vorrang vor „Beschaulichkeit“ haben, die Martinistraße in ihrer heutigen Form sei jedoch „ein Schandfleck“. Leichte Abgrenzungsprobleme hatte der neue Bausenator gegenber dem ADAC. „Wir haben nicht die vier Leitthesen des ADAC abgeschrieben“, wies er Beckers Begeisterung über die „Übereinstimmung zwischen dem ADAC und dem Koalitionspapier“ zurück. Für die Umsetzung seiner Politik sah er trotz Finanznot gute Voraussetzungen, denn mit dem Ressortgezanke wie zwischen Fücks und Jäger sei nun Schluß. „Ich habe Helmut Perschau eingeladen und kann Ihnen versichern: Zwischen Bau- und Wirtschaftsressort herrscht in Fragen der Verkehrspolitik totale Übereinstimmung“.
Das Thema Attraktivität der City für RadfahrerInnen wurde lediglich von einer Diskussionsrednerin an das ausschließlich mit männlichem Sachverstand besetzte Podium herangetragen, dort aber nur mit besten Absichten und Ermahnungen an die rücksichtslosen RadlerInnen gestreift. Ach ja, und das Bügelbrett: ÖPNV-Vertreter Herbert Korte regte einen „Bringeservice“ von BSAG und Kaufmannschaft an. asp
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