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Brennstoff für ReaktorenUSA investieren Milliarden in Uran-Anreicherung

Um die Abhängigkeit von Uran aus Russland zu verringern, beauftragt die Trump-Regierung drei Konzerne. Ziel: Brennstoff für umstrittene Mini-Reaktoren.

Atomenergie ist die Energie der Zukunft in den USA. In voller Schönheit, der Kühlturm eines Atomkraftwerks in Missouri, USA Foto: Joe Sohm/imago

Die US-Regierung investiert weitere 2,7 Milliarden US-Dollar in die heimische Atomindustrie. Um die Abhängigkeit von Uranimporten aus Russland zu verringern, hat das US-Energieministerium drei Konzerne mit Technik für die Anreicherung von Kernbrennstoff mit je 900 Millionen Dollar beauftragt. Die Regierung sei entschlossen, „eine sichere heimische Lieferkette für Kernbrennstoffe wiederherzustellen, die in der Lage ist, die Kernbrennstoffe zu produzieren, die für den Betrieb der Reaktoren von heute und von morgen benötigt werden“, sagte Energieminister Chris Wright.

Die Mittel für die Konzerne American Centrifuge Operating, General Matter und Orano Federal Services sind Teil der US-Strategie, den wachsenden Strombedarf für künstliche Intelligenz, Rechenzentren oder Elektroautos durch Atomkraft zu decken. Präsident Donald Trump hatte in seinem ersten Amtsjahr die Unterstützung für Erneuerbare gekürzt, um mehrere Erlasse für eine „nukleare Renaissance“ zu unterzeichnen. Laut Energieminister Wright soll „nuklear wieder sexy werden“.

Ende Mai hatte Trump bereits den Bau von vier neuen Atomkraftwerken mit Kosten in Höhe von 80 Milliarden US-Dollar genehmigt. Die Atomstrom-Produktion soll auch durch beschleunigte Verfahren und weniger Auflagen in den kommenden 25 Jahren vervierfacht werden. 94 Atomkraftwerke decken in den USA derzeit knapp 20 Prozent der Stromproduktion ab.

Außerdem förderte die US-Regierung den Bau von Mini-AKWs, den sogenannten „Small Modular Reactors“ (SMR). Dazu wurden bereits im Sommer elf Atomprojekte von Nuklear-Start-ups und größeren Firmen ausgewählt, drei Testreaktoren sollen bis zum Juli 2026 genehmigt, „gebaut und betrieben werden“. Einen SMR soll die US-Armee bis 2028 auf einer Militärbasis betreiben.

Hoch angereicherter Brennstoff in der Kritik

Ein Drittel des aktuellen Auftragsvolumens geht in die Produktion von schwach angereichertem Uran für Atomanlagen, zwei Drittel sollen in die Produktion von hochgradig angereicherten Atombrennstoff fließen. Dieses sogenannte „high-assay low-enriched uranium“ (HALEU) ist vor allem für die kleinen SMR-Reaktoren gedacht. HALEU-Kritiker*innen fürchten, dass der Brennstoff auch für Waffen genutzt werden könnte, wenn er in die falschen Hände gerät.

Die SMR gelten in der Branche als mögliche Zukunftstechnologie. Auch die CSU forderte gerade auf ihrer Klausurtagung in Seeon erneut die Mini-Meiler auch in Deutschland. Sie gelten als vergleichsweise günstig und schnell zu bauen. Ex­per­t*in­nen verweisen jedoch darauf, dass diese in Serie produzierten Reaktoren die grundsätzlichen Probleme der Technologie kaum lösen, also hohe Kosten, Betriebsrisiken und Entsorgungsfragen.

Derzeit können nur Russland und in geringerem Umfang China den HALEU-Brennstoff herstellen. Es gibt auch keinen Bedarf dafür: Nur in diesen Ländern laufen kleine, keineswegs serienreife SMR. Das einst gehypte Vorzeigeprojekt NuScale Power aus den USA floppte 2023 wegen immenser Kostensteigerungen. Allerdings gibt es derzeit wieder SMR-Pläne in bis zu 40 Ländern.

Die Autarkiebestrebungen beim Nuklearbrennstoff sind aus US-Sicht nachvollziehbar. Im Jahr 2020 verfügte Russland über fast die Hälfte der weltweiten Kapazitäten für die Anreicherung von Uran. Im Mai 2024 haben die USA noch unter Joe Biden ein Gesetz zum Verbot russischer Uran-Importe ab 2028 beschlossen. Die letzte inländische kommerzielle Urananreicherungsanlage in US-Hand, die Gasdiffusionsanlage Paducah in Kentucky, wurde 2013 geschlossen. Derzeit ist eine Uranfabrik des britischen Unternehmens Urenco im Bundesstaat New Mexico die einzige im ganzen Land.

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