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Bosnien-Verhandlungen unterbrochen

Waffenstillstand erneut verzögert / Widersprüche über serbischen Abzug in den Bergen um Sarajevo / Kroatischer Außenminister bestreitet Einvernehmen mit Milošević  ■ Aus Genf Andreas Zumach

Nach wie vor weigern sich die Truppen der bosnischen Serben, die Berge Igman und Bjelašnica bei Sarajevo zu räumen. Die Genfer Bosnien-Verhandlungen sind daher von den Vermittlern der EG und UNO gestern nachmittag erneut „unterbrochen“ und auf Montag nachmittag verschoben worden.

Noch am Donnerstag abend hatten die bosnischen Serben die UN-Schutztuppen im ehemaligen Jugoslawien (UNPROFOR) beschuldigt, die Waffenstillstandslinie vom 30. Juli „zugunsten der Muslime verschoben zu haben“. Obwohl dies im Widerspruch zu Angaben des Serbenführer Radovan Karadžić vom Donnerstag morgen stand, wonach sich „alle serbischen Truppen hinter die von der UNPROFOR definierten Waffenstillstandslinie zurückgezogen“ hätten, gaben die internationalen Vermittler, Lord David Owen und Thorwald Stoltenberg, dem neuerlichen Verzögerungsversuch nach.

Vereinbart wurde, daß der britische UNPROFOR-General Hayes gestern morgen nach einer Begehung des Geländes mit Militärführern der Serben und der bosnischen Regierungstruppen die endgültige Waffenstillstandslinie festlegen sollte. Serbenführer Karadžić versprach seinerseits, seine Truppen anschließend hinter diese Linie zurückzuziehen. Über das Ergebnis der morgendlichen Geländebegehung wurde bei Redaktionsschluß noch immer weiter beraten.

Der Sprecher des EG-UN-Vermittlerduos Owen und Stoltenberg wies derweil in Genf gegenüber der taz die Darstellung des kroatischen Außenministers Mate Granić zurück, nach der dessen Präsident Tudjman Plänen für die Teilung Bosnien-Herzegowinas nur auf Druck Owens zugestimmt hätte. „Präsident Tudjman hat sich nicht mit Präsident Milošević auf die Teilung Bosniens geeinigt“, erklärte Kroatiens Außenminister in einem gestern veröffentlichten Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Zur Entstehung des serbisch kroatischen „Konföderations“- Planes für Bosnien, der Mitte Juni auf den Genfer Verhandlungstisch gekommen war, erklärte der bosnische Außenminister: „Damals hatten die Muslime gerade eine Offensive gestartet. Lord Owen hat uns Gespräche in Genf vorgeschlagen und Präsident Tudjman eingeladen, genauso wie Milošević und Izetbetgović. Tudjman wurde gedrängt und gezwungen, sich konstruktiv zu verhalten.“

Tatsächlich wurde der „Konföderations“-Plan aber damals von Tudjman und Milošević ausgearbeitet, unmittelbar nachdem diese in Genf Gespräche mit Owen und Stoltenberg geführt hatten.

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