Blutrache in Bremen: Mord aufgeklärt

Ein Angehöriger des kurdisch-libanesischen M.-Clans soll 2009 in Schwanewede den 43-jährigen Hussein El-Zein erschossen und seine Verlobte schwer verletzt haben

Hier ist Blutrache verboten, zumindest nachts. Bild: Klaus Wolschner

Die Polizei fahndet nach dem wegen Waffenhandels mehrfach vorbestraften Heisem M. aus Bremen. Er soll am Abend des 30. Januar 2009 in Schwanwede den Deutsch-Libanesen Hussein El-Zein erschossen und seine Verlobte schwer verletzt haben. Heisem M. ist ein Angehöriger des kurdisch-libanesischen M.-Clans. Seine Fingerabdrücke fanden sich auf einer der am Tatort gefundenen Patronenhülsen. M. ist flüchtig und wird im Nahen Osten vermutet.

Der 43-jährige Blumenhändler El-Zein, der seit 1991 als Bürgerkriegsflüchtling in Bremen lebte, sollte aus Rache für eine Messerstecherei im Jahr 2006 in der Kneipe Born-Eck in der Falkenstraße sterben. Dabei wurden zwei M.s mit mehren Messerstichen verletzt, der damals 18-jährige Ahmet E. starb.

Die Täter aus dem Born-Eck setzten sich noch in der Nacht in den Libanon ab. El-Zein blieb. Er war lange mit einer deutschen Ärztin aus dem Viertel verheiratet, die beiden hatten zwei Kinder. Obwohl das Bremer Landgericht ihm glaubte, dass er im Born-Eck niemanden angegriffen hatte, wurde er wegen Mittäterschaft zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Richter warfen ihm vor, sich nicht rechtzeitig zurückgezogen zu haben, als die Situation im Born-Eck eskalierte.

Von Anfang an war klar, dass der M.-Clan Blutrache für den Tod von Ahmet E. üben würde. Noch im Gericht stießen die M.s Morddrohungen gegen El-Zein aus. In der JVA Oslebshausen bricht Ahmet E.s Bruder ihm das Nasenbein. Die Justiz weigerte sich zunächst jedoch, ihn in ein anderes Gefängnis zu verlegen. "Eine Bedrohungssituation wird akut nicht gesehen", erklärte das Ressort im Dezember 2008 gegenüber der taz.

Kurz danach wurde Hussein El-Zein "Berufsfreigänger" - er durfte die JVA tagsüber verlassen, um im Blumengeschäft seiner Frau zu arbeiten. Gegenüber seiner Anwältin und der taz hatte er mehrfach erklärt, Angst vor der Rache der M.s zu haben. Dabei gab es genügend Indizien für die drohende Blutrache. Im August 2008 vertraute sich ein Abschiebehäftling der Polizei an: Der Clanchef Cemal E., Vater des Born-Eck-Opfers, versuche für 60.000 Euro einen Killer anzuwerben, der Hussein El-Zein töten solle. Polizei und Justiz nahmen die Aussage nicht ernst, sie glaubten, der Mann wolle nur seine Abschiebung verhindern.

Tatsächlich scheint die Suche nach einem Auftragsmörder vergeblich geblieben zu sein. Deshalb könnte der nun ermittelte Schütze nach den Regeln des Clans verpflichtet gewesen sein, den Tod des jungen Ahmet E. mit dem Mord an Hussein El-Zein zu rächen - obwohl klar war, dass Ahmet E. von einem anderen Mann im Born-Eck angegriffen und erstochen wurde. Doch die wahren Born-Eck-Täter sind vermutlich im Libanon, für die M.s jedenfalls nicht greifbar.

Die Staatsanwaltschaft Verden ging davon aus, dass Clanchef Cemal E. für den Mord an Hussein El-Zein verantwortlich war. Er saß lange in U-Haft, die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn Anklage wegen Mordes. Doch die Schüsse von Schwanewede waren ihm nicht nachzuweisen. Und ohne den abgeschobenen Zeugen stand die Anklage auf zu dünnen Füßen. Cemal E. wurde ohne Prozess entlassen.

In der Zwischenzeit gelang es der Polizei jedoch den abgeschobenen Zeugen von 2008 in Mazedonien aufzuspüren. Er wiederholte seine Aussage von damals und bezichtigte Cemal E. erneut der Suche nach einem Auftragsmörder für Hussein El-Zein.

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